Vatikan

Inhalt

Kritik am Papst "Neidisch bin ich nur auf seine roten Schuhe" Bischöfin Margot Käßmann im Interview
Warum der Papst kein Pilger sein kann
Pilger sterben auf dem Weg nach Mariazell
Benedikt XVI in Österreich - Stimmloser Segen im Regen
Anti-Homosexuellen-Dokument des Vatikan
Papst sucht Schutz bei Bush
Papst "behinderte" Sexualmißbrauchs-Untersuchung
Papst ebnet den Weg zur Genmanipulation
Rundfunkgebühren
Pope 'obstructed' sex abuse inquiry


Kritik am Papst

"Neidisch bin ich nur auf seine roten Schuhe"

Von den Massen wird Papst Benedikt XVI. gefeiert wie ein Popstar - doch das Verhältnis zur protestantischen Kirche hat in seiner Amtszeit gelitten. Die hannoversche Bischöfin Margot Käßmann erklärt im Interview mit SPIEGEL ONLINE, warum sie viele Entscheidungen des Papstes für falsch hält.

SPIEGEL ONLINE: Frau Käßmann, im rumänischen Sibiu trifft sich die 3. Europäische Ökumenische Versammlung, an der Sie gerade teilnehmen. Gleichzeitig besucht Papst Benedikt XVI. Österreich und zieht alle Aufmerksamkeit auf sich. Ärgert Sie das?

Käßmann: Das Medieninteresse am Treffen in Sibiu wird durch den Papstbesuch in Österreich bestimmt leiden. Aber das ist zu verschmerzen, denn in Sibiu geht es stark um innerkirchliche Beziehungen.

SPIEGEL ONLINE: Mit dem innerkirchlichen Verhältnis zwischen Rom und den evangelischen Kirchen steht es nicht zum Besten. Warum ist man sich im ökumenischen Dialog nicht näher gekommen?

Käßmann: Wenn sich eine Kirche als einzige Weltkirche versteht, ist es sehr schwierig, in einen Dialog einzutreten. Die römisch-katholische Haltung, sie allein sei die heilige Kirche, akzeptieren wir nicht.

SPIEGEL ONLINE: Was sollen dann Bemühungen um eine Annäherung der beiden Konfessionen bringen? Es ist doch klar, dass man sich in wesentlichen Fragen wie der Anerkennung des Papstamtes nicht einigen wird.

Käßmann: Je mehr wir gemeinsam sagen, desto mehr werden wir gehört. Von der Bibel her gibt es den Auftrag, so viel Einheit wie möglich zu leben. Im Dialog mit dem Islam sollten wir mit einer Stimme sprechen. Und gerade da, wo Kirchen kleiner werden, ist es sinnvoll, zusammenzuarbeiten. In meiner Landeskirche haben sich beispielsweise gerade ein kleines katholisches und ein kleines evangelisches Krankenhaus zu einem christlichen Klinikum zusammengeschlossen. So etwas ist ein Hoffnungsschimmer. Doch insgesamt geht mir der ökumenische Prozess viel zu zögerlich voran, etwa in der Abendmahlsfrage für Ehepartner verschiedener Konfession.

SPIEGEL ONLINE: Sie fordern, die großen Kirchen sollten sich gemeinsam zu Themen wie dem Klimawandel äußern. Welche Kompetenz hat die Kirche bei solchen Fragen?

Käßmann: In unseren Reihen gibt es hervorragende Naturwissenschaftler, die an dieser Diskussion sachkundig teilnehmen können. Außerdem: Allein meine Landeskirche hat 8600 Gebäude. Wir können etwa durch Energiegutachten oder Solarzellen auf kirchlichen Gebäuden deutliche Zeichen setzen. Auf kircheneigenem Land können wir auf gentechnisch verändertes Saatgut verzichten. Und wir können unsere Mitglieder ermutigen, Umweltfragen ernst zu nehmen.

SPIEGEL ONLINE: "Solarzellen", "Saatgut" - das sind praktische, weltliche Themen? Haben Sie bei den theologischen Fragen der Ökumene kapituliert?

Käßmann: Noch nicht. Aber ich sage ganz offen: In den nächsten Jahren erwarte ich keinen theologischen Durchbruch. Daher sollten wir jetzt nicht nur aufs Lehrgespräch setzen, sondern uns auf das praktische Christentum konzentrieren.

SPIEGEL ONLINE: Benedikt wird in Österreich wieder gefeiert werden wie ein Popstar - obwohl er unpopuläre Forderungen vor allem in Sachen Sexualethik stellt. Warum?

Käßmann: Die Medien wollen Gesichter und Ereignisse. Und die Menschen lieben es, bei diesen Ereignissen dabei sein. Ich stelle jedoch eine deutliche Diskrepanz fest: Viele wollen sich einen Papstauftritt nicht entgehen lassen. Gleichzeitig wissen wir aber, dass etwa die sexualethischen Forderungen des Papstes nicht unbedingt durchschlagenden Erfolg haben.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie manchmal neidisch auf die Konkurrenz?

Käßmann: Neidisch bin ich nur darauf, dass er rote Schuhe tragen darf, ohne dass dies jemand kritisiert. Der Protestantismus zeichnet sich durch etwas ganz anderes aus: Bei uns herrscht inhaltliche Vielfalt. Wir sagen: Um die Wahrheit, um den richtigen Weg muss immer wieder gerungen werden. Das ist natürlich anstrengend und nicht so populär. Dennoch ist das für eine Kirche der richtige Weg, denke ich.

SPIEGEL ONLINE: Papst Benedikt sitzt seit rund zweieinhalb Jahren auf dem Stuhl Petri. Welches Urteil fällen Sie über seine bisherige Amtszeit?

Käßmann: Ich sehe nicht, dass in dieser Amtszeit die Ökumene vorangekommen ist. Ich weiß auch, dass manche Reformkatholiken die Hoffnung aufgegeben haben, in der Zölibatsfrage oder beim Priesteramt der Frau könne sich in seiner Amtszeit noch etwas ändern.

SPIEGEL ONLINE: Dafür hat Benedikt die Möglichkeit geschaffen, die Messe wieder in Latein zu zelebrieren.

Käßmann: Ich bin froh, dass Luther die Bibel übersetzt hat und den Gottesdienst in der Volkssprache eingeführt hat, damit die Menschen religiösen Fragen selbst nachgehen können. Die Frage der Sprache ist von großer Bedeutung. Die lateinische Messe ist aus lutherischer Sicht nicht nachzuvollziehen.

SPIEGEL ONLINE: Eine reaktionäre Maßnahme?

Käßmann: Diese Frage muss innerkatholisch geklärt werden.

SPIEGEL ONLINE: Müssen moraltheologische Fragen, wie etwa die wirksame Bekämpfung von Aids - Stichwort Kondomverbot - auch innerkatholisch geklärt werden?

Käßmann: Es fällt mir sehr schwer, die offizielle römisch-katholische Haltung zu Aids nachzuvollziehen. Die Folgen einer solchen Haltung sind nicht verantwortbar, denke ich. Beispiele zeigen: Wenn die Kirchen aufklären und die Benutzung von Kondomen befürworten, trägt dies dazu bei, dass Ansteckung verhindert wird und so Menschenleben gerettet werden. Ich wünsche mir, dass auch die römisch-katholische Kirche Verhütung und Familienplanung positiv sieht. Die Kombination aus Religion und Angst halte ich für den falschen Weg.

SPIEGEL ONLINE: Die katholische Kirche macht Menschen Angst?

Käßmann: Nicht die katholische Kirche insgesamt. Aber zur Freiheit eines Christenmenschen, von der Luther gesprochen hat, gehört, dass ich nachdenken darf, dass ich kritisch sein darf. Wenn diese Freiheit ersetzt wird dadurch, dass gesagt wird, du musst so und so glauben, du musst so und so handeln, dann ist dies meines Erachtens der falsche Weg. Die Zusage des Evangeliums, geliebt zu sein, möchte ich spüren und nicht den Druck, verdammt zu sein, wenn ich nicht nach bestimmten Moralvorstellungen lebe.

SPIEGEL ONLINE: Wo nehmen Sie diesen Druck wahr?

Käßmann: In der fehlenden Liebe mit Blick auf die Situation von Frauen im Schwangerschaftskonflikt zum Beispiel. Oder in der Begegnung mit Menschen, deren Leben nicht so perfekt verläuft. Auch im Umgang mit Geschiedenen oder Homosexuellen. Es siegt oft das anklagende Gesetz über die Liebe. Das halte ich für unevangelisch.

SPIEGEL ONLINE: Trotz der von Ihnen gewünschten evangelischen Freiheit laufen Ihrer Kirche seit Jahren die Mitglieder davon. Das Geld wird knapp, das Personal abgebaut. Wie wollen Sie mit weniger Hauptamtlichen mehr Gläubige gewinnen?

Käßmann: Hauptamtliches Personal ist kein Garant dafür, dass es hohe Mitgliederzahlen gibt. Die Situation hat sich inzwischen übrigens stabilisiert, die Zahl der Austritte geht zurück.

SPIEGEL ONLINE: Wie kann die evangelische Kirche attraktiver werden?

Käßmann: Wichtig ist, dass eine Kirche vor Ort gut verwurzelt ist und sich die Menschen in ihr geborgen fühlen. Gottesdienste müssen so ansprechend sein, dass Menschen mit dem Gefühl rausgehen: Das hat mir gut getan für mein Leben, da geh ich wieder hin. Eine gute seelsorgerliche Begleitung von Menschen an den Übergängen des Lebens - Geburt, Einschulung, Heirat, Tod - schafft eine positive Bindung an die Kirche. Auch Kindertagesstätten, Religionsunterricht, ein begeisternder Konfirmandenunterricht sind wichtige Schaltstellen. Erfahrungen dort bestimmen mit, ob Menschen sich in Zukunft zu ihrer Kirche zählen.

SPIEGEL ONLINE: Kommt die Gesellschaft nicht längst ohne Glauben aus?

Käßmann: Manche Menschen meinen das. Ich halte das für traurig. Denn eines Tages muss sich jeder fragen, woher er kommt, und wohin er geht.

SPIEGEL ONLINE: Und das kann nur die Kirche beantworten?

Käßmann: Ich sage nicht, dass die Kirche dies exklusiv kann. Für mich allerdings hat die Kirche diese Antwort. Ich wünschte, mehr Menschen würden sich frühzeitiger Gedanken machen, wohin sie gehören.

Das Interview führte Alexander Schwabe
Landesbischöfin Margot Käßmann, 49: "Eines Tages muss sich jeder fragen, woher er kommt, und wohin er geht"
DPA
SPIEGEL ONLINE - 07. September 2007, 08:53
URL: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,503862,00.html


Benedikt XVI Stimmloser Segen im Regen

Aus Wien berichtet Alexander Schwabe

Sorgen über Sorgen beim Papstbesuch in Österreich: Es gießt und gießt. Straßen stehen unter Wasser, der Pilgerweg nach Mariazell ist in Gefahr. Und dann das: Bei seiner Rede im Zentrum Wiens musste Benedikt XVI. seine Rede unterbrechen.

Wien - Sorgenvolle Blicke bei Wiens Kardinal Christoph Schönborn: Seit Tagen schüttet es in Österreich wie aus Kübeln. Das Programm des ersten Besuchs Joseph Ratzingers als Papst in Österreich steht auf der Kippe. Zwei von drei Straßen zum Wallfahrtsort Mariazell, wo Benedikt XVI. morgen hinpilgern wollte, stehen unter Wasser. Sollte der Regen nicht abnehmen, wird der Hubschrauber mit dem Pontifex maximus nicht zum Marienwallfahrtsort starten können.

Und dann noch das: Der Papst ist gesundheitlich angeschlagen. Schon beim Empfang auf dem Flughafen Wien-Schwechat durch Österreichs Bundespräsidenten Heinz Fischer redete er in einem leer geräumten kalten Hangar mit heiserer Stimme, während draußen das Land zu ertrinken drohte. Der österreichische Klerus meinte im Vorfeld des Besuchs noch aufatmen zu können. Denn der Vatikan dementierte die Gerüchte, der Heilige Vater sei angeschlagen: "Die Heiserkeit löst sich bereits", hieß es. Bei einer kurzen Pressekonferenz des Papstes im Flugzeug nach Wien am Morgen redete er denn auch tatsächlich mit fester Stimme.

Doch als er die erste Rede im Zentrum des verregneten Wiens hielt, stockte den Gläubigen unter ihren Plastikumhängen der Atem. Der Papst musste seine Ansprache nahe der Mariensäule unterbrechen. Seine Stimme wurde immer brüchiger. Als ob die Heiserkeit auf die Schnelle technisch zu lösen sei, wurde ein zweites Mikrofon gereicht. Mehrfach versuchte der Papst seinen Satz zu vollenden: "Schon vor der Erschaffung der Welt, ..." - mehrfach kam er nicht weiter.

Stille. Ratlosigkeit. Die Kameras gingen minutenlang auf die Totale. Was war geschehen? Technische Probleme? Ein Schwächeanfall? Beunruhigende Momente. Wie um drohendes Unheil zu bannen, hoben einige Besucher zu einem Benedetto-Sprechgesang an. Immer noch Ungewissheit. Dann trat Kardinal Schönborn neben den Papst und stimmte ein gesungenes Vater-Unser an. Ein neues Mikrofon wurde gereicht. Der Papst beendete seine Rede dennoch nicht. Stattdessen erteilte er den 7000 Besuchern den Segen.

Auf der kurzen Pressekonferenz im Flugzeug hatte der Papst auf den Charakter seiner Reise anlässlich des 850-Jahr-Jubiläums des Wallfahrtsortes Mariazell in der nördlichen Steiermark hingewiesen. Es sei eine Pilgerreise. Erste "Etappe" seines Pilgerweges nach Mariazell war die Mariensäule in Wien. Kaiser Ferdinand III. hatte sie 1647 erbauen lassen, "zum Dank für die Befreiung Wiens aus großer Gefahr", wie der Papst sagte, womit er es - diplomatisch gereift - vermied, die Türken oder den Islam als Ursache der Belagerung Wiens beim Namen zu nennen. Auch nur die geringste Provokation für einen weiteren Sturm der Entrüstung in der islamischen Welt, den es nach seiner Regensburger Rede gegeben hatte, wollte Benedikt vermeiden.

Zentrales Thema des Papstbesuchs wird Europa sein. Der Papst wird darauf hinweisen, dass der alte Kontinent seine christlichen Wurzeln nicht verleugnen dürfe. Es wird ferner erwartet, dass er deutliche Worte zur Abtreibungsdebatte sagen wird - aus grundsätzlich theologischen Überlegungen und angesichts des Geburtenrückgangs in Europa. Zur Erläuterung dessen, was er als Fundament Europas versteht, wird der ehemalige Dogmatikprofessor und Vorsitzende der Glaubenskongregation erneut Überlegungen über die Vernunft anstellen.
SPIEGEL ONLINE - 07. September 2007, 16:46
URL: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,504486,00.html


Pilger sterben auf dem Weg nach Mariazell

Sie wollten zur Messe mit dem Papst, aber sie erlebten sie nicht mehr: Ein 80-jähriger und ein 81-jähriger Pilger starben unterwegs an einem Kreislaufversagen. Bendedikt XVI. betete für sie.

Mariazell - Der Gottesdienst mit Papst Benedikt XVI. im österreichischen Mariazell am Samstag wurde vom Tod zweier Pilger überschattet.

Der Landesrettungskommandant des Österreichischen Roten Kreuzes, Peter Hansak, sagte auf ddp-Anfrage, die beiden Männer seien am Samstagmorgen auf dem Pilgerweg nach Mariazell einem Kreislaufversagen erlegen. Es habe sich um einen 81 Jahre alten Steirer und einen 80-jährigen Niederösterreicher gehandelt.

Der Papst betete während der Messe für sie und gedachte ihrer auch zum Schluss des Gottesdienstes: "Wir dürfen sicher sein, dass die Muttergottes sie direkt zum Herrn hingeführt hat."

cai/ddp
SPIEGEL ONLINE - 08. September 2007, 14:02
URL: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,504609,00.html


Warum der Papst kein Pilger sein kann

Aus Wien berichtet Alexander Schwabe

Als Pilger komme er nach Österreich, hat Papst Benedikt XVI. gesagt, er hege keine politischen Absichten. Eine echte Pilgerfahrt war ihm am Wochenende trotzdem nicht gegönnt. Und politisch wurde es auch: Der Oberhirte redete Europa ins Gewissen.

Wien - Pilgern und pilgern ist nicht dasselbe: Wenn ein Gläubiger auf Pilgerreise geht, so geht er. In Fußmärschen von 20, 30 Kilometern am Tag nähert er sich langsam seinem Ziel. Nicht zu schnell, damit er genügend Zeit gewinnt, sich auf dem Weg zu läutern.

Wenn der Oberhirte der Katholiken pilgert, so bringt ihn ein Hubschrauber zu seinem Ziel. Etwa nach Mariazell in Österreich. Für den Pontifex maximus blieb maximal Zeit für eine Instant-Läuterung.

Wenn der gemeine Pilger unterwegs ist, lebt er in der Regel von einem schmalen Budget. Er steigt in einfachen Herbergen ab, Luxus soll ihn nicht von seiner Bewegung hin zum Wesentlichen ablenken. Wenn der Papst auf Wallfahrt geht, kostet das allein der katholischen Kirche Österreichs 4,9 Millionen Euro. Dazu kommen Kosten für seine Sicherheit aus Steuergeldern.

Wenn ein Pilger pilgert, so wird er unterwegs andere Pilger treffen. Mit ihnen kann er Erfahrungen austauschen, die er so bisher noch nie gemacht hat. Der Papst aber trifft Bundespräsidenten, Bundeskanzler, Minister und Kardinäle. In einer Begegnung erfährt ein gewöhnlicher Pilger etwas über den Anderen und noch mehr über sich selbst. Ein Papst aber muss Begrüßungsreden und Predigten halten.

Wenn ein Pilger pilgert, so wird er einen großen Teil seiner Zeit allein sein und auf sich selbst zurückgeworfen mit seinen Abgründen konfrontiert. Wenn ein Papst pilgert, badet er ständig in der Menge, schüttelt Hände, hetzt von Termin zu Termin und hat rund um die Uhr auch noch die örtlichen Bischöfe und Kardinäle um sich.

Und zuletzt: Wenn ein Pilger pilgert, nimmt er auf dem Weg zum Ziel vielleicht eine innere Veränderung wahr, es kann zu einer Erkenntnis kommen. Wenn ein Papst pilgert, bringt er alle Erkenntnis in Form vorgefertigter, kluger Reden mit.

Kurzum: Eine echte Pilgerreise ist eine Papstreise nicht, wenn sie auch als solche deklariert wird.

Doch die Reden auf dieser uneigentlichen Pilgerreise sind gewohnt gehaltvoll. Benedikt XVI. sieht Europa in Gefahr. Das "Haus Europa" werde nur dann ein gut bewohnbarer Ort, "wenn es auf einem soliden kulturellen und moralischen Fundament von gemeinsamen Werten aufbaut", so der Papst in seiner wichtigsten Rede in der Wiener Hofburg. "Europa kann und darf seine christlichen Wurzeln nicht verleugnen." Auch in Österreich redet er gegen die Beliebigkeit an, die er bereits vor Jahren als eines der Grundübel der modernen Welt ausgemacht hat. Ein "schrecklicher Irrweg" in Europa sei "die Degeneration von Toleranz zu einer Gleichgültigkeit ohne Bezug zu bleibenden Werten".

Als Beispiel führt der Papst den Umgang mit Kindern und dem ungeborenen Leben an. Es gebe ein Menschenrecht auf Leben - Abtreibung könne demnach keines sein. "Aus Sorge um die Humanität" appellierte der Papst an die "politisch Verantwortlichen": Abtreibung werde zwar in der Rechtsordnung als Unrecht festgehalten; in der Praxis werde das Grundrecht auf Leben aber "faktisch aufgehoben". In Österreich, wo die Fristenregelung praktiziert wird - Abtreibung ist während der ersten drei Schwangerschaftsmonaten möglich -, löste diese Aussage sogleich eine politische Debatte aus.

"Wir trauen wohl der Zukunft nicht recht"

Zugleich nahm der Papst sich selbst in die Pflicht: "Ich verschließe nicht die Augen vor den Problemen und Konflikten vieler Frauen und bin mir dessen bewusst, dass die Glaubwürdigkeit unserer Rede auch davon abhängt, was die Kirche selbst zur Hilfe für betroffene Frauen tut." Man müsse außerdem alles in Bewegung setzen, "damit die europäischen Länder wieder kinderfreundlicher werden". Der Papst sorgt sich um die demografische Entwicklung: "Europa ist arm an Kindern geworden: Wir brauchen alles für uns selber, und wir trauen wohl der Zukunft nicht recht."

Die Ausführungen sind Entfaltungen seiner bekannten Haltung - alter Wein in neuen Schläuchen. Wo Benedikt draufsteht, ist Ratzinger drin. Zweieinhalb Jahre nach Amtsantritt legt er seine Philosophie in Variationen aus. Inhaltlich Neues ist nicht zu erkennen. Dringende Reformen bei brennenden Problemen? Weiterhin Fehlanzeige!

Im katholischen Klerus herrscht inzwischen ein Geist, der die wirksame Bekämpfung von Aids, den Priestermangel, die Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche nur noch als leidige Themen ansieht. Selbst abwehrende Rechtfertigungsbemühungen bleiben aus. Diese Themen werden schlicht ignoriert. Papst Benedikt scheint an praktischen Fragen nicht sonderlich interessiert. Er denkt abstrakt, grundsätzlich. Ihm geht es um die Wurzeln der Kultur, der Religion, des Menschseins, nicht um die Blüten, die diese treiben und die in seiner Sicht ohnehin periodisch verwelken. Und es kann nur blühen, was gesunde Wurzeln hat.
SPIEGEL ONLINE - 09. September 2007, 12:10
URL: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,504675,00.html


Anti-Homosexuellen-Dokument des Vatikan

Rom/Berlin (AP) Die Katholische Kirche will Homosexuelle und ihnen nahe stehende Personen auch in Zukunft nicht in geistlichen Ämtern dulden. In einer Instruktion des Heiligen Stuhls, die am Mittwoch in Rom bestätigt wurde, heißt es, für Menschen mit diesen Neigungen komme die Priesterweihe nicht in Frage. Bei FDP, Grünen und Schwulenverbänden stieß die Haltung des Vatikans auf scharfe Kritik. Die Deutsche Bischofskonferenz begrüßte dagegen die Instruktion.
In dem von Papst Benedikt XVI. abgesegneten Dokument wird darauf verwiesen, dass im katholischen Katechismus homosexuelle Akte eine schwere Sünde darstellten und «im Gegensatz zum Naturgesetz» stünden. Auch «tiefsitzende homosexuelle Tendenzen» stellten für die betreffenden Personen eine schwere Prüfung dar. Daher könne die Kirche jene nicht für das Priesterseminar und für die heiligen Weihen zulassen, «die Homosexualität praktizieren, tiefsitzende homosexuelle Tendenzen aufweisen oder die so genannte Gay-Kultur unterstützen».
Ausnahmen macht der Vatikan nach dem Dokument nur dann, wenn es sich um homosexuelle Tendenzen handele, die nur Ausdruck eines Übergangsproblems wären. Als Beispiel nennt das Papier den Fall «eines noch nicht abgeschlossenen Erwachsenwerdens». Dann müsse die Homosexualität aber mindestens drei Jahre vor der Diakonsweihe «ganz klar überwunden» sein.
Zur Begründung des Nein zur Homosexualität im Priesteramt heißt es in der Schrift, dass der Priester «auf sakramentale Weise Christus, Haupt, Hirte und Bräutigam der Kirche» repräsentiere. Der Kandidat für das Weiheamt müsse daher eine Reife erlangen, die ihn fähig mache, mit Männern und Frauen in korrekter Beziehung zu stehen.
Das «Anweisung» genannte Papier wurde vom Präfekten der Glaubenskongregation, am 4. November unterzeichnet. Papst Benedikt XVI. hatte es bereits am 31. August gebilligt. Ausdrücklich wird in dem Dokument jedoch hervorgehoben, dass die Katholische Kirche Homosexuelle außerhalb des Priesteramtes als Personen «zutiefst respektiert».
Die Deutsche Bischofskonferenz äußerte sich positiv zu der Anweisung: «In der Regel wird in unseren theologischen Konvikten und Priesterseminaren schon seit längerer Zeit in diesem Sinne verfahren.» Daher werde die Instruktion auch als Bestätigung eines eigenen Wegs der katholischen Bischöfe in Deutschland gesehen, «der einerseits eine klare grundsätzliche Orientierung und andererseits eine differenzierte Beratung und Entscheidung im Einzelfall darstellt».
Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, warnte den Vatikan vor einer generellen Verdammung der Homosexuellen. Es bestehe die Gefahr einer theologischen Verteufelung von Schwulen und Lesben, weil offenbar selbst Enthaltsamkeit den Homosexuellen vor dem totalen Unwerturteil der Kirche nicht schütze. Wenn der Vatikan von homosexuellen Priesteranwärtern mehr verlange als von heterosexuellen Anwärtern, sei dies diskriminierend und nicht zu begründen.
Der FDP-Bundestagsabgeordnete Hans-Michael Goldmann nannte die Anweisung des Vatikans «sowohl in der Sache als in der Wortwahl verfehlt». Die Kirche drücke mit dem Papier eine Haltung aus, «die geeignet ist, die menschliche und gesellschaftliche Akzeptanz von Homosexuellen zu untergraben». Der Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD), Manfred Bruns, warf dem Vatikan vor, die Vielfältigkeit von Lebensformen zu unterdrücken.

Mittwoch 23. November 2005, 20:30 Uhr


Papst sucht Schutz bei Bush

ROM – In Texas läuft ein Prozess wegen sexuellen Missbrauchs von Knaben. Und auf der Anklageliste sticht ein Name heraus: Joseph Ratzinger.

Eigentlich ist klar: Papst Benedikt XVI ist nicht nur Oberhaupt der katholischen Kirche. Er gilt auch als Staatsoberhaupt und geniesst somit diplomatische Immunität. Dennoch gelangten seine Anwälte in einer delikaten Sache an den US-Präsidenten. Sie haben George W. Bush – selber streng gläubig – um Immunität für den Pontifex gebeten.

Denn der heutige Papst wird in einem Zivilverfahren in Texas angeklagt. Im Prozess geht es um die sexuelle Misshandlung von drei Jungen durch einen Priesteranwärter.

Die Kläger werfen nun Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. vor, als damaliger Leiter der Glaubenskongregation gemeinsam mit dem Erzbistum Galveston-Houston die Vorfälle in den 90er Jahren vertuscht zu haben.

Der Anwalt eines Opfers berief sich dabei auf einen Brief Ratzingers auf dem Jahr 2001. Darin heisse es, dass alle schweren Vergehen wie der Missbrauch von Minderjährigen von Ratzingers Kongregation behandelt werden sollten.

(Blick ch 17.8.05)


Papst "behinderte" Sexualmißbrauchs-Untersuchung

Vertraulicher Brief enthüllt, daß Ratzinger die Bischöfe anwies,
Anschuldigungen geheimzuhalten.
Jamie Doward, Korrespondent für religiöse Angelegenheiten
Sonntag, 24. April 2005
“The Observer“

Übersetzung des englischen Originalartikels aus "The Observer"

Gestern abend sah sich Papst Benedict XVI. mit der Behauptung konfrontiert, „Gerechtigkeit behindert“ zu haben, nachdem herauskam, daß er Anweisungen gab, die sicherstellten, daß kirchliche Untersuchungen der Anschuldigungen von sexuellem Mißbrauch an Kindern im Geheimen erfolgen sollten.

Die Anordnung wurde in einem vertraulichen Brief erteilt, der dem “Observer“ in die Hände gelangte; er war im Mai 2001 an jeden katholischen Bischof gesandt worden.

Der Brief macht das Recht der Kirche geltend, ihre Untersuchungen hinter verschlossenen Türen abzuhalten und Beweise bis zu 10 Jahren, nachdem die Opfer Volljährigkeit erreichen, geheimzuhalten. Der Brief war unterzeichnet von Kardinal Joseph Ratzinger, der letzte Woche zum Nachfolger von Johannes Paul II. gewählt wurde.

Anwälte, die für die Mißbrauchsopfer tätig sind, behaupten, daß der Brief geschrieben wurde, um zu verhindern, daß die Anschuldigungen an die Öffentlichkeit gelangen oder von der Polizei untersucht werden.

Der Brief „bezüglich sehr schwerwiegender Sünden“ wurde von der Kongregation für Glaubensfragen versandt, jener Stelle im Vatikan, die einst der Inquisition vorstand und die Ratzinger überwachte.

Er macht den Bischöfen den Standpunkt der Kirche bezüglich einer Reihe von Angelegenheiten deutlich, die von der Feier der Eucharistie mit einem Nicht-Katholiken bis zum sexuellen Mißbrauch durch einen Kleriker mit einem Minderjährigen unter 18 Jahren reichen. Ratzingers Brief erklärt, daß die Kirche in den Fällen die Zuständigkeit beanspruchen darf, in denen der Mißbrauch „von einem Kleriker mit einem Minderjährigen begangen“ wurde.

Der Brief sagt aus, daß die Zuständigkeit der Kirche an dem Tag beginnt, an dem der Minderjährige das 18. Lebensjahr vollendet hat, und 10 Jahre lang andauert.

Er ordnet an, daß „Voruntersuchungen“ jedweder Mißbrauchsanschuldigungen an Ratzingers Büro geschickt werden sollen, welchem die Möglichkeit offensteht, diese an private Tribunale zurückzuverweisen, in denen die „Funktion des Richters, des Förderers der Gerechtigkeit, des notariellen und gesetzlichen Vertreters in diesen Fällen nur durch Priester in gültiger Weise ausgeübt werden kann“.

„Fälle dieser Art unterliegen der pontifikalen Geheimhaltung“, schließt der Brief Ratzingers. Der Bruch der pontifikalen Geheimhaltung zu irgend einem Zeitpunkt während des Laufs der 10-jährigen Rechtszuständigkeit, zieht Strafen nach sich, einschließlich der Androhung der Exkommunizierung.

Auf den Brief wird Bezug genommen in den Unterlagen eines Prozesses zweier angeblicher Mißbrauchsopfer gegen eine texanische Kirche und Ratzinger Anfang dieses Jahres. Durch Übersendung des Briefs erklären die für die angeblichen Opfer tätigen Anwälte, daß der Kardinal sich verschworen habe, Gerechtigkeit zu behindern.

Daniel Shea, der Anwalt der beiden angeblichen Opfer, die den Brief entdeckten, sagte: „Der Brief spricht für sich selbst. Man muß sich fragen: Warum läßt man die Uhr nicht laufen, bevor das Kind 18 wird? Das bedeutet eine Behinderung der Gerechtigkeit.“

Pater John Beal, Professor für kanonisches Recht an der katholischen Universität von Amerika, gab unter Eid eine mündliche Stellungnahme am 8. April letzten Jahres ab, in welcher er Shea gegenüber zugab, daß der Brief die Zuständigkeit der Kirche und deren Kontrolle über sexuelle Mißbrauchsverbrechen überschritt.

Der Ratzinger-Brief wurde von Erzbischof Tarcisio Bertone mit unterzeichnet, der vor zwei Jahren ein Interview gab, in welchem er andeutete, daß die Kirche sich dagegenstellt, außenstehenden Behörden die Untersuchung von Mißbrauchsklagen zu erlauben.

„Meiner Meinung nach ist die Forderung unbegründet, daß ein Bischof verpflichtet sein soll, die Polizei einzuschalten, um einen Priester zu beschuldigen, der das Vergehen der Pädophilie zugegeben hat“, sagte Bertone.

Shea kritisierte die Anordnung, daß Mißbrauchsanschuldigungen nur in geheimen Tribunalen untersucht werden sollten. „Sie verhängen Vorgehensweisen und Geheimhaltung über diese Fälle. Wenn die Behörden zur Durchführung der Gesetze von einem solchen Fall erfahren, können sie handeln. Aber sie können nicht einen Fall untersuchen, wenn sie nie davon erfahren. Wenn man es schafft, ihn 18 plus 10 Jahre geheimzuhalten, wird der Priester damit durchkommen“, fügte Shea hinzu.

Eine Pressesprecherin des Vatikans verweigerte einen Kommentar, als man ihr den Inhalt des Briefes darlegte. ‚Das ist kein öffentliches Dokument, also werden wir nicht darüber reden“, sagte sie.

aus dem englischen übersetzt. Hier geht es zum Originaltext


Papst ebnet den Weg zur Genmanipulation

Papst Johannes Paul II. zeigt sein wahres Gesicht: Mit verharmlosendem Wischiwaschi lässt er den Weg der Gentechnik ebnen. Schon im Sommer 2003 pfiffen es die römischen Spatzen von den Dächern: Im Vatikan wird eine - überwiegend positive - Stellungnahme zur Gentechnik vorbereitet. Im Januar 2004 breitete dann der "Biotechnik-Experte" des Vatikans, Bischof Sgreccia, die Grundzüge des bevorstehenden Dokuments aus - in einem Interview mit der katholischen Bildpost. Einige Kostproben: "Das Problem ist, dass es eine exakte Information in der Öffentlichkeit über genmanipulierte Lebensmittel geben müsste." Klingt scheinbar gut -könnte aber genauso gut von einem Vertreter eines Gentechnik-Konzerns gesagt werden: Informiert die Leute nur entsprechend - dann werden sie es schon einsehen ..."Emotionalität und ideologische Manöver rund um dieses Thema herum müssen durch mehr Kenntnis und Bewusstseinsbildung abgebaut werden." Auch das ist der Originalton der Gen-Multis: Wer dagegen ist, ist "emotional" - man kann ihn deshalb nicht ernst nehmen. "Bevor ein Produkt auf den Markt kommt, muss es auf seine Umweltschädlichkeit hin geprüft und erst am Tier ausprobiert worden sein." Dass der Vatikan Tierversuche befürwortet, war ja klar. Aber kein Wort darüber, dass nur Langzeitversuche über viele Jahre und Jahrzehnte klären könnten, welche Auswirkungen genmanipulierte Nahrung langfristig auf Tier und Mensch haben können. "Wenn man ganz ohne Risiko leben will, dann kann man sich auch nicht auf die Straße wagen." Verharmlosung pur! Vor allem, wenn man bedenkt, dass das Risiko ja sehr ungleich verteilt ist: Die Konzerne sahnen ab, ökologisch wirtschaftende Bauern stehen vor dem Bankrott, wenn in ihrem Feld sich durch Wind oder Insekten genmanipuliertes Saatgut ausbreitet. "Ich sehe eine Koexistenz beider Produktions-Formen voraus und ein Zusammenleben traditioneller Kulturen und gentechnisch manipulierter Kulturen, ohne dass die eine die andere bedroht." Gerade das ist ja die Frage, ob das überhaupt gehen wird: Wenn die Gentechnik sich flächendeckend in der Landschaft breit macht, wird ökologischer Landbau durch den kaum mehr aufzuhaltenden Gentransfer über kurz oder lang unmöglich. Das scheint den Vatikan aber nicht zu stören. "Als die Kartoffel nach Europa kam, wollte keiner Kartoffeln anbauen... Dann kam eine Hungersnot und die Kartoffel rettete Europa." Will heißen: Vielleicht rettet uns die Gentechnik vor dem Hungertod. Dabei ist längst erwiesen, dass der Hunger in der Welt ein soziales und kein technologisches Problem ist. "Die katholische Position besagt, dass der Mensch der Bezugspunkt ist und somit das Recht hat, über alle Formen des Lebens zu bestimmen, deren Verwalter und begünstigter Empfänger er ist. ... Der Mensch ist autorisiert, Modifizierungen an Pflanzen und Tieren vorzunehmen, wenn die Vernunft ihm eingibt, dass es dem Wohl der Menschheit dient." Alle wortreichen Einschränkungen (Gentechnik muss gekennzeichnet werden; sie darf nicht die Umwelt und die Menschen schädigen usw.) sind nichts als hohle Phrasen: Hier wird unmissverständlich grünes Licht für einen breitflächige Gentechnik gegeben. Denn was "die Vernunft eingibt" und was machbar ist, das bestimmen allemal diejenigen, die Geld und Macht auf ihrer Seite haben. Und auf dieser Seite steht seit fast 2000 Jahren auch die Kirche. Es wäre einmal interessant zu erfahren, ob der Vatikan auch Aktien in Gentechnik-Konzernen besitzt?!
(Mahnmal aktuell, Ausgabe 1/2004)


Rundfunkgebühren

Für den Papst ist uns nichts zu teuer
"Warum müssen ausgerechnet die atheistischsten Gebührenzahler Deutschlands für die Unterhaltung des Vatikans aufkommen?" - so fragte entgeistert ein "Insider" des Mitteldeutschen Rundfunks laut einem Zeitungsbericht der Welt (5.9.03).Der MDR ist tief in die roten Zahlen gerutscht - doch zum 25. Dienstjubiläum des Papstes musste "natürlich" wieder das ganze Orchester der mitteldeutschen Rundfunkanstalt nach Rom fliegen, um dem Jubilar ein standesgemäßes "Ständchen" zu bringen - in Form von Beethovens Neunter. Dies ist keineswegs die erste Reise dieses Klangkörpers in den Vatikan - doch die Kosten der aufwändigen Gratulationstouren trug und trägt immer nur einer: der Gebührenzahler, also jeder mitteldeutsche Fernsehzuschauer und Radiohörer. Übrigens: Als wir beim MDR anfragten, um die genauen Kosten der Reise zu erfahren, wurde uns diese Auskunft verweigert. Wo bleibt die Transparenz für den Bürger?
(Mahnmal aktuell, Ausgabe 4/2003)


Pope 'obstructed' sex abuse inquiry

Confidential letter reveals Ratzinger ordered bishops to keep allegations secret
Jamie Doward, religious affairs correspondent
Sunday April 24, 2005
Observer

Diesen Artikel haben wir für Sie ins Deutsche übersetzt.

Pope Benedict XVI faced claims last night he had 'obstructed justice' after it emerged he issued an order ensuring the church's investigations into child sex abuse claims be carried out in secret.
The order was made in a confidential letter, obtained by The Observer, which was sent to every Catholic bishop in May 2001.
It asserted the church's right to hold its inquiries behind closed doors and keep the evidence confidential for up to 10 years after the victims reached adulthood. The letter was signed by Cardinal Joseph Ratzinger, who was elected as John Paul II's successor last week.
Lawyers acting for abuse victims claim it was designed to prevent the allegations from becoming public knowledge or being investigated by the police. They accuse Ratzinger of committing a 'clear obstruction of justice'.
The letter, 'concerning very grave sins', was sent from the Congregation for the Doctrine of the Faith, the Vatican office that once presided over the Inquisition and was overseen by Ratzinger.
It spells out to bishops the church's position on a number of matters ranging from celebrating the eucharist with a non-Catholic to sexual abuse by a cleric 'with a minor below the age of 18 years'. Ratzinger's letter states that the church can claim jurisdiction in cases where abuse has been 'perpetrated with a minor by a cleric'.
The letter states that the church's jurisdiction 'begins to run from the day when the minor has completed the 18th year of age' and lasts for 10 years.
It orders that 'preliminary investigations' into any claims of abuse should be sent to Ratzinger's office, which has the option of referring them back to private tribunals in which the 'functions of judge, promoter of justice, notary and legal representative can validly be performed for these cases only by priests'.
'Cases of this kind are subject to the pontifical secret,' Ratzinger's letter concludes. Breaching the pontifical secret at any time while the 10-year jurisdiction order is operating carries penalties, including the threat of excommunication.
The letter is referred to in documents relating to a lawsuit filed earlier this year against a church in Texas and Ratzinger on behalf of two alleged abuse victims. By sending the letter, lawyers acting for the alleged victims claim the cardinal conspired to obstruct justice.
Daniel Shea, the lawyer for the two alleged victims who discovered the letter, said: 'It speaks for itself. You have to ask: why do you not start the clock ticking until the kid turns 18? It's an obstruction of justice.'
Father John Beal, professor of canon law at the Catholic University of America, gave an oral deposition under oath on 8 April last year in which he admitted to Shea that the letter extended the church's jurisdiction and control over sexual assault crimes.
The Ratzinger letter was co-signed by Archbishop Tarcisio Bertone who gave an interview two years ago in which he hinted at the church's opposition to allowing outside agencies to investigate abuse claims.
'In my opinion, the demand that a bishop be obligated to contact the police in order to denounce a priest who has admitted the offence of paedophilia is unfounded,' Bertone said.
Shea criticised the order that abuse allegations should be investigated only in secret tribunals. 'They are imposing procedures and secrecy on these cases. If law enforcement agencies find out about the case, they can deal with it. But you can't investigate a case if you never find out about it. If you can manage to keep it secret for 18 years plus 10 the priest will get away with it,' Shea added.
A spokeswoman in the Vatican press office declined to comment when told about the contents of the letter. 'This is not a public document, so we would not talk about it,' she said. Guardian Unlimited © Guardian Newspapers Limited 2005

Übersetzung ins Deutsche


Staatsanwalt weist Klage gegen Papst ab

In einer im US-Bundesstaat Texas eingereichten Klage wird Papst Benedikt XVI. vorgeworfen, Ermittlungen vertuscht zu haben. Zugelassen wird die Klage aber nicht - das Oberhaupt des Vatikanstaates genieße Immunität, sagt der zuständige Staatsanwalt.

Rom - Es werde keine Strafverfolgung gegen den Papst geben, sagte der stellvertretende Generalstaatsanwalt Peter Keisler den Gerichtsdokumenten zufolge. Eine Zulassung der Anklage stünde im Gegensatz zu den außenpolitischen Interessen der USA.

In der gestern eingereichten Klage wird dem Papst vorgeworfen, Ermittlungen vertuscht zu haben. Darin ging es um die sexuelle Belästigung von drei Jungen durch ein Mitglied eines Priesterseminars.

Spiegel Online 20.9.05

War also die Schutzsuche bei Buschdoch fruchtbar!


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