Sexualverbrechen

Warum kommt es gerade bei Repräsentanten der Amtskirchen besonders häufig zu sexuellen Übergriffen auf Kinder oder Schutzbefohlene?
In dieser Rubrik wollen wir Sie ständig über Medienberichte zum Thema "Missbrauch durch Würdenträger" informieren. Auf diesem Gebiet zeigen sich auf deutliche Art und Weise die Auswirkungen einer Kirchenlehre, die zu äußeren Machtmitteln greift, um das "Personal" nach seiner Fasson bestimmen zu können. Der zwanghafte Zölibat beschert vielen Kindern und Jugendlichen traumatische Erlebnisse, die sie zum Teil ihr ganzes Leben nicht mehr aufarbeiten können. Die gesamte Indoktrination der Kirchenlehre muss zwangsläufig in solchen abnormen Strafdelikten enden denn sie ist auf Zwang aufgebaut.
Die angeführten Berichte stellen nur einen winzig kleinen Auszug aus den der Öffentlichkeit bekannt gewordenen Verfehlungen der Institutionen Kirche dar. Bei der Auswahl haben wir uns auf die aktuellsten Fälle beschränkt


Inhalt

Vikar soll Kinderpornos verbreitet haben
Missbrauch im Namen des Herrn
Die Katholische Kirche zieht Pädophile an
Das "hässliche Gesicht" der katholischen Kirche: Kein Ende der Missbrauchsskandale
Vorbestrafter Pfarrer erneut in U-Haft
Schweigen gegen Geld
Schwere Vorwürfe - Bischof schweigt
Diözese zahlt Millionen an Opfer sexuellen Missbrauchs
Sexskandal im Vatikan vertuscht?
Ex-Priester (84) gesteht Missbrauch von 47 Mädchen
Priester wegen Mordes an 71-j. Nonne verurteilt
US-Diözese einigt sich mit Missbrauchsopfern
Priester soll Nonne vergewaltigt haben
Überblick über Missbrauchs-Zahlen
Sexueller Missbrauch - Priester - Gericht


Vikar soll Kinderpornos verbreitet haben

Sauerland

Schwere Vorwürfe gegen einen katholischen Geistlichen: Ein Vikar aus dem Erzbistum Paderborn soll in mehr als 100 Fällen Kinderpornografie besessen und verbreitet haben. Gegen den geständigen 31-Jährigen ermittelt nun die Staatsanwaltschaft.

Brilon - Der Geistliche aus Brilon hat die Vorwürfe weitestgehend eingeräumt. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft Arnsberg. Der Mann soll das Material über das Internet verbreitet haben, wie Oberstaatanwalt Werner Wolff sagte.

Das Pfarrbüro der Gemeinde in Brilon sowie die Privaträume des Vikars wurden laut Anklagebehörde bereits im Juli nach einem Hinweis von Ermittlungsbehörden in Süddeutschland durchsucht. Dabei sei unter anderem ein Rechner sichergestellt worden, dessen Inhalt nun ausgewertet werde.

Das zuständige Erzbistum Paderborn suspendierte den Geistlichen nach Bekanntwerden der Vorwürfe vom Dienst. "Wir waren fassungslos und haben natürlich sofort reagiert", sagte Bistumssprecher Ägidius Engel. Die seelsorgerische Tätigkeit sei dem 31-Jährigen nun ausdrücklich untersagt.

Derzeit sei der Vikar, der am vergangenen Wochenende nach vier Jahren in Brilon eigentlich ins hessische Korbach hätte wechseln sollen, krankgeschrieben. Dass er jemals wieder seelsorgerisch tätig werde, sei mehr als unwahrscheinlich, sagte Engel.

han/AP

URL: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,645074,00.html
26.8.09
© SPIEGEL ONLINE 2009


Missbrauch im Namen des Herrn

Kinderheime in Irland
Missbraucht im Namen des Herrn

Tausende irische Kinder wurden in Heimen der katholischen Kirche missbraucht. Stiller Komplize war die Regierung, die das System früher finanzierte VON RALF SOTSCHECK

Erst langes Schweigen, nun keine Kooperation: An Aufklärung ist den religiösen Orden in Irland nicht gelegen. Foto: ap

Die Kinder hatten keine Namen, sondern Nummern, und so wurden sie auch behandelt. In den vom Staat finanzierten und von der katholischen Kirche betriebenen irischen Kinderheimen und Besserungsanstalten waren körperlicher, sexueller und emotionaler Missbrauch an der Tagesordnung. Zu diesem Ergebnis kam ein lang erwarteter Bericht einer Dubliner Untersuchungskommission, der am Mittwoch vorgestellt wurde.

"Vergewaltigungen waren in den Einrichtungen für Jungen üblich", heißt es in dem Bericht. Manchmal vergewaltigten mehrere Ordensbrüder gleichzeitig ein Kind, manchmal waren die Täter auch ältere Heiminsassen, die früher selbst Opfer waren. Die Schläge waren "schwer, willkürlich und unvorhersehbar". In den Mädchenschulen waren die Vergewaltigungen zwar nicht systematisch, aber sie fanden auch dort statt. Die physischen und emotionalen Misshandlungen waren genauso schlimm wie bei den Jungen.

Die Kinder hungerten und holten sich Essbares aus dem Müll, stellte die Kommission fest. Ihre Kleidung war unzureichend, die Sanitäreinrichtungen primitiv. Unterricht fand nur dann statt, wenn es für die Institution nützlich war. Meist wurden die Kinder jedoch als Arbeiter an Bauern vermietet. Ein 60-Jähriger, der anonym bleiben möchte, sagte zur taz: "Jetzt wissen alle, was ich seit meiner Kindheit weiß. Aber es gibt keine Strafen, niemand wird zur Rechenschaft gezogen. Die Kirchenoberen hoffen, dass nun Gras über die Sache wächst."

Wollen der Kirche nicht den Gefallen tun, zu vergessen: Opfer des Missbrauchs und deren Angehörige. Foto: ap

Mehr als 30.000 Kinder haben diese Folterhäuser, die "industrial schools" hießen, durchlaufen. Ihr Vergehen: ein kleiner Diebstahl, Schulschwänzen, und manchmal reichte es aus, dass sie unehelich waren, um sie in eins dieser Heime zu stecken. Der Vorsitzende der Kommission, Seán Ryan, sagte: "Unser Bericht kann nicht untersuchen, was aus den Kindern hätte werden können, wenn sie nicht in diese Heime gekommen wären." Die Kommission wurde 2000 eingesetzt und befragte mehr als 2.000 Zeugen, die ihre Kindheit in einer der 216 Institutionen zwischen 1940 und Mitte der Achtzigerjahre verbracht haben. Manche Zeugen waren aus den USA oder Australien angereist, um ihre Aussage zu machen.

Von den religiösen Orden wurde dagegen jede Kooperation verweigert. Die Führungen der verschiedenen Orden haben die Beschuldigungen als übertrieben oder erlogen zurückgewiesen, und falls es doch Missbrauch gegeben habe, seien die Täter längst tot. Die Behauptung der Orden, dass die Menschen in vergangenen Zeiten sexuellen Missbrauch von Kindern nicht als Straftat ansahen, sondern als Sünde, für die man Buße tun musste, wies die Kommission in ihrem 2.600-Seiten-Bericht ausdrücklich zurück. Sie stellte fest, dass Vergewaltiger einfach von der Kirche versetzt wurden, wo sie ungestört weitermachen konnten, wenn der Missbrauch nicht mehr zu vertuschen war.

Die katholischen Einrichtungen wurden vom Staat nach der Anzahl der Insassen bezahlt, was dazu führte, dass so mancher leitende Ordensbruder Nachschub anforderte, um mehr Geld zu bekommen. Die Kirchen hatten vor allem auf dem Land eine solch mächtige Stellung, dass sich selbst Eltern einer Einweisung ihres Kindes in eine Besserungsanstalt nicht widersetzten. Auch das Bildungsministerium unterwarf sich den Kirchen und führte keine Inspektionen durch.

Kardinal Seán Brady, katholischer Primat von Irland, sagte, er sei sehr beschämt, dass Kinder auf solch furchtbare Weise leiden mussten, und versprach, dass "die katholische Kirche alles Notwendige tun wird, um die Kirchen zu einem sicheren und erfreulichen Ort für Kinder zu machen".

Die Christian Brothers, die schlimmsten Peiniger, sagten in einer Erklärung: "Wir wissen, dass ein Heilungsprozess nicht möglich ist ohne die Anerkennung unserer Verantwortung als Gemeinde für das Geschehene." Das ist Heuchelei. Gerade die Christian Brothers verzögerten die Untersuchung und setzten vor Gericht durch, dass keins ihrer Mitglieder im Bericht namentlich genannt wird, selbst wenn es sich um verurteilte Kinderschänder handelt. Der englische Erzbischof von Westminster, Vincent Nicholls, lobte die Ordensmitglieder für ihren Mut und befürchtet, dass der Bericht ihre guten Taten überschatten werde. Patrick Walsh, eins der Opfer, sagte: "Müll wäre ein zu freundliches Wort für die Äußerungen des Erzbischofs. Was können solche Menschen Gutes getan haben?" Die Opferorganisationen verlangen, dass der Vatikan seine Orden in Irland unter die Lupe nimmt, vor allem deren finanzielle Machenschaften.

Im Jahr 2003 haben 12.000 Opfer jeweils 65.000 Euro Schadensersatz erhalten. Aber das Geld kam nicht etwa von den Kirchen, sondern vom Steuerzahler. Darüber hinaus mussten die Opfer unterschreiben, dass die Sache für sie damit erledigt sei und sie von einer Strafanzeige gegen Staat und Kirche absehen. Hunderte haben das abgelehnt und wollen vor Gericht ziehen.

http://www.taz.de/nc/1/politik/europa/artikel/1/missbraucht-im-namen-des-herrn

21.5.09
© taz Entwicklungs GmbH & Co. Medien KG, Vervielfältigung nur mit Genehmigung des taz Verlags


Die Katholische Kirche zieht Pädophile an

Obwohl er bereits zuvor wegen sexuellen Kindesmissbrauchs verurteilt wurde, soll sich im bayerischen Riekofen ein Geistlicher jahrelang an einem Ministranten vergangen haben. Ein Fall, der hätte vermieden werden können, wie der Psychoanalytiker Micha Hilgers jetzt behauptet.
Interview mit Psychoanalytiker "Die Katholische Kirche zieht Pädophile an"

In der Kirche von Riekofen arbeitete der Pfarrer, der jetzt verhaftet wurde, weil er einen Ministranten missbraucht haben sollFoto: © Armin Weigel/DPA

Der Psychoanalytiker Micha Hilgers hat es als "völlig verantwortungslos" bezeichnet, einem straffällig gewordenen pädophilen Priester wie in Riekofen noch einmal eine Kirchengemeinde zu übertragen. "Es ist geradezu bizarr, ihn wieder in die deliktnahe Situation hineinzubringen", sagte Hilgers, der seit vielen Jahren pädophile Straftäter betreut, der Deutschen Presse-Agentur. Abwegig sei es auch, wenn der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller davon spreche, der Priester sei nach einer Therapie als "geheilt" betrachtet worden: Pädophilie sei nicht "heilbar", sondern bestehe lebenslang, betonte Hilgers.
"Heilung ist nicht möglich"

"Therapie ist möglich, Heilung ist nicht möglich", erläuterte er. "Typisch für eine gescheiterte Behandlungssituation ist, dass sich der Therapeut und der Betroffene der Illusion hingeben, die Neigung sei überwunden. Es geht vielmehr darum, dass der Betroffene lernen muss, seine Neigung zu kontrollieren, sie nicht auszuleben.", sagte Hilgers.

Entscheidend dabei sei, dass der Pädophile von vornherein Situationen vermeide, die ihn in Versuchung führen könnten, zum Beispiel Kinderspielplätze, Schulen oder Jugendgruppen. Ein Priester, der einmal auffällig geworden sei, könne deshalb nie mehr in einer Gemeinde arbeiten, weil er dort zwangsläufig wieder mit Kindern zu tun habe. Denkbar sei hingegen eine Stelle in der Verwaltung.

Bischof und Bistum müssten sich auch der Tatsache bewusst sein, dass die katholische Kirche pädophile Menschen besonders anziehe, sagte Hilgers. Zum einen sei der Zölibat für Pädophile kein Verzicht, "da sie sich erwachsener Sexualität sowieso nicht gewachsen oder sich nicht davon angezogen fühlen". Zum anderen schaffe der Beruf des Seelsorgers Gelegenheiten für Übergriffe, zum Beispiel wenn ein Priester nach einer Andacht mit einem Messdiener allein sei: "Dann entsteht ein Intimitätsraum."
Bistümer müssen sich der Risiken bewusst sein

Die Wahrscheinlichkeit, auf Menschen mit pädophilen Neigungen zu stoßen, sei unter katholischen Priestern deshalb höher. "Der Bischof und das Bistum sind selbstverständlich gefordert, ein besonderes Augenmerk auf diese Dinge zu haben. Sie müssen sich dieses besonderen Risikos bewusst sein. Das wird sträflich vernachlässigt", kritisierte Hilgers.

Falsch sei die Vorstellung, der Zölibat - die Ehelosigkeit des Priesters - sei die Ursache für das Entstehen von Pädophilie. Niemand werde pädophil, weil er keinen Sex mit Erwachsenen haben dürfe, sagte Hilgers. "Es ist umgekehrt, der Zölibat zieht Menschen an, bei denen die Neigung schon vorhanden ist."

25.9.07
http://www.stern.de/wissen/mensch/interview-mit-psychoanalytiker-die-katholische-kirche-zieht-paedophile-an-598758.html


Das "hässliche Gesicht" der katholischen Kirche

Das "hässliche Gesicht" der katholischen Kirche: Kein Ende der Missbrauchsskandale

* Allgemeine Empörung und Wut über Riekofen-Affäre

Es war der alte kranke Papst Johannes Paul II., der dem Spuk ein Ende bereiten wollte. "Null-Toleranz" lautete 2002 sein Rezept gegen pädophile Priester. Das Thema des sexuellen Missbrauchs sollte endlich ans Tageslicht, die Schuldigen bestraft, den Opfern geholfen werden. Die "Omertà", das Mafia-Gesetz des Schweigens, wie es ein Vatikanjournalist provozierend genannt hatte, sollte gebrochen werden. Mit aller Kraft setzte sich der greise Pole damals dafür ein - offenbar vergeblich. Wenn sich die deutschen katholischen Bischöfe bei ihrer Tagung in Fulda - wieder einmal - mit dem Thema befassen müssen, wird vor allem eines klar: Das Problem ist keinesfalls gänzlich überwunden.

Der jüngste Fall im bayerischen Ort Riekofen wirkt wie eine Verhöhnung der harten "römischen Linie". Nach bisherigen Ermittlungen soll sich ein 39-jähriger Geistlicher jahrelang an einem Ministranten vergangen haben - obwohl er bereits Jahre zuvor wegen sexuellen Kindsmissbrauchs zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war. Selbst nach der Verhaftung des Priesters findet der Regensburger Diözesanbischof Gerhard Ludwig Müller kein Wort der Selbstkritik oder gar der Reue über seine verheerende Personalentscheidung: "Die Verantwortung der Tat trägt der Täter", sagte der Kirchenfürst.

Zwar äußert sich der Vatikan nicht offiziell zu dem neuen Fall, doch intern schüttelt mancher Theologe in Rom nur mit dem Kopf. "Das ist eine deutsche Angelegenheit", sagt ein Insider von Radio Vatikan. "Der Bischof muss sein Verhalten jetzt vor seinen Mitbrüdern im Amt rechtfertigen." Schließlich hätten sich die Deutschen vor einigen Jahren selbst strenge Richtlinien gegen die Übergriffe von pädophilen Priestern gegeben. Nun müsse man sich fragen, warum diese nicht immer greifen. "Manche sind wohl auch überfordert." Bischof Müller hatte sich vor der Presse auf das Gutachten eines Therapeuten berufen, demzufolge ein Rückfall des Priesters ausgeschlossen sei - die Linie der "Null-Toleranz" ist das nicht...

Das Unwesen pädophiler Priester - es ist das "hässliche Gesicht" der katholischen Kirche. Ob Mexiko oder Brasilien, Deutschland, Österreich oder Irland, USA oder Japan, immer wieder kommen sexuelle Übergriffe ans Tageslicht. Einmal sind es Pfarrer, die sich im Zeltlager an Knaben heranmachen, ein anderes Mal suchen sie ihre Opfer unter Ministranten oder unter Seminaristen. Eine Welle von Skandalen in den USA hatte die dortige Kirche in eine schwere Krise gestürzt, Entschädigungen in zweistelliger Millionenhöhe brachten einige Diözesen an den Rand des finanziellen Ruins. "Schlimmer noch ist aber der Imageschaden für die Kirche", meint ein römischer Theologe.

Angesichts eines Skandals in Irland im vergangenen Jahr kam eine Studie in Dublin zu dem Schluss, dass drei Prozent der dortigen Priester in den vergangenen Jahrzehnten sexuellen Missbrauch begangen hätten. Schätzungen von Theologen gehen davon aus, dass in Deutschland 200 bis 300 Priester pädophil veranlagt sind. Bei den Angaben handelt es sich um Hochrechnungen auf der Basis der Missbrauchsfälle in den USA. Psychologen und Kirchenkritiker beharren immer wieder darauf, durch das Sex- und Eheverbot würden Priester mit "zweifelhaften" sexuellen Neigungen geradezu angezogen.
25.9.07
(apa/dpa/red)
http://www.news.at/articles/0739/15/184314/das-haessliche-gesicht-kirche-kein-ende-missbrauchsskandale


Vorbestrafter Pfarrer erneut in U-Haft

VON HARALD BISKUP, 14.09.07, 22:07h

Regensburg - Es kommt in Bayern nicht alle Tage vor, dass ein kleiner Ortsbürgermeister sich mit dem Bischof anlegt. Armin Gerl aus Riekofen (Landkreis Regensburg) wirft dem Regensburger Oberhirten Gerhard Ludwig Müller vor, jahrelang die „kriminelle Vergangenheit“ von Ortspfarrer Peter K. verschwiegen zu haben. Die Erregung ist groß in der 800-Seelen-Gemeinde, nachdem K. wegen des Verdachts, über Jahre hinweg einen Ministranten sexuell missbraucht zu haben, in Untersuchungshaft sitzt.

Der Imageschaden für die Kirche, fürchten katholische Laien aus der Region, lasse sich kaum ermessen. Drei Jahre lang war K. Pfarrer von Riekofen. Erst jetzt kam heraus, dass er sich vor acht Jahren in Viechtach im Bayerischen Wald schon einmal an einem Messdiener vergangen hatte. Er wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt und unterzog sich einer Therapie. Ein Fachgutachten, so lässt das Bistum wissen, habe festgestellt, bei K. liege keine „pädophile Fixierung“ vor. Rückfälligkeit sei nicht zu erwarten. Eine Fehleinschätzung.

Die Empörung im Ort über den Missbrauchsverdacht ist riesengroß - über weitere Übergriffe wird gemunkelt. Weit gewaltiger allerdings ist der Zorn auf Bischof Müller, dass er „einem Geistlichen mit einer solchen Vorgeschichte wieder eine Gemeinde anvertraut und dass er dem Treiben viel zu lange zugeschaut hat“. Sigrid Grabmeier von der Bewegung „Wir sind Kirche“ wirft dem Bischof „Vertuschung“ vor.

Auf eine Bitte um Verzeihung warten der betroffene Junge und seine Eltern sowie die Pfarrei bisher vergebens. Er bete für die Familie, ließ Müller wissen , und sollten sich die Vorwürfe gegen Pfarrer K. bestätigen, wären sie ein „schreiender Widerspruch zum priesterlichen Dienst“. Wenn es den „geringsten Verdacht auf ein Rest-Risiko“ gegeben hätte, wäre K. nicht in die Oberpfalz geschickt worden. Zwölfmal sei der Pfarrer mit den Vorwürfen konfrontiert worden, jedes Mal habe er sie abgestritten. Seit sechs Wochen befasse sich Müller täglich mit dem Fall, sogar im Urlaub. Nun hat er einen Besuch in Riekofen am nächsten Sonntag angekündigt. „Was will er da noch?“, fragt Fritz Wallner, letzter Vorsitzender des von Müller vor zwei Jahren in einem handstreichartigen Coup aufgelösten Regensburger Diözesanrats. Wallner kritisiert, Müller setze sich eigenmächtig über Leitlinien der Bischofskonferenz zum Umgang mit pädophilen Geistlichen hinweg.

Nach Missbrauchsfällen in mehreren Diözesen hatten sich die Bischöfe 2002 darauf verständigt, auffällig gewordene Priester nicht mehr in der Gemeindeseelsorge einzusetzen. Eine Zeit lang ging das im Fall K. gut. Nach seiner Therapie arbeitete der heute 39-Jährige als Seniorenseelsorger in Sünching, half aber gelegentlich im Nachbarort Riekofen aus. 2004 wurde er zum rechtmäßigen Pfarrer bestellt.

Dass Müller verbindliche Standards ignoriert, hänge mit dessen „ausgeprägter Dialogunfähigkeit“ und der Scheu zusammen, sich öffentlicher Kritik zu stellen, sagt Wallner. Zudem beschreitet der einstige Professor einen Sonderweg, auf dem ihm selbst seine engsten Verbündeten Kardinal Meisner sowie die Bischöfe Schick (Bamberg) und Mixa (Augsburg) nicht zu folgen bereit sind. Eigentlich müsse Müller zurücktreten, „das Maß ist voll“ schimpfen selbst kreuzbrave Katholiken. Die sonst dezent formulierende Sprecherin der Bischofskonferenz ruft den Vatikan auf den Plan - schließlich habe der Papst die Ahndung sexueller Delikte von Klerikern zur Chefsache gemacht. Nach kirchlichem Usus bedeutet dieser Hinweis „Eskalationsstufe 3“. Folgenlos wird der Fall K. für Müllers Karriere kaum bleiben. Kann man sich einen Mann als künftigen Münchner Erzbischof vorstellen, der jahrelang einen Kinderschänder als Seelsorger agieren ließ? (mit jf)


http://www.ksta.de/jks/artikel.jsp?id=1189361590165


Schweigen gegen Geld

Von Conny Neumann und Peter Wensierski

Mit unmoralischen Angeboten hart am Rand der Legalität hatte die Kirche versucht, einen Kinderschänder im Talar zu schützen - so konnte er sich offenbar wieder an Ministranten vergreifen.

Seine neuen Schäfchen hatten zur Begrüßung ein Geschenk mit Symbolkraft besorgt: Als der Priester Peter K. im September 2004 in Riekofen bei Regensburg seinen Dienst antrat, überreichten sie ihm einen großen Scheinwerfer. Er möge das Licht Gottes nach Riekofen bringen und auch in die dunklen Ecken blicken.

Doch dunkle Ecken suchte der Katholik offenbar selbst gern auf - um sich, so behaupten Zeugen, an Ministranten zu vergreifen. Ende August wurde er auf dem Weg in den Urlaub von Fahndern der Kriminalpolizei festgenommen, wegen Fluchtgefahr.

Jetzt sitzt der Gottesmann hinter Gittern, und Riekofen steht unter Schock. Der Fall im Bistum Regensburg könnte sich zu einem der schwersten Sex-Skandale unter den deutschen Katholiken ausweiten. Massiv sind die Vorwürfe gegen den Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller. Dem SPIEGEL liegen Dokumente vor, die belegen, dass sein Ordinariat - hart an der Grenze der Legalität - versucht hat, Kindesmissbrauch zu vertuschen: Schweigen sollte mit Geld erkauft werden. Einer der missbrauchten Jugendlichen wirft den Kirchenmännern vor: "Es geht ihnen nicht um die Opfer, sondern vor allem darum, dass nichts an die Öffentlichkeit kommt. Das tut weh."

Denn K., heute 39, war schon Jahre zuvor als Kinderschänder aufgefallen. Nur eine knappe Stunde Autofahrt entfernt, im Städtchen Viechtach, kann die 46-jährige Johanna T. kaum fassen, was jetzt in Riekofen passiert ist. Mehrfach hat sie die Kirche in Regensburg genau vor so etwas gewarnt. Johanna T. ballt die Fäuste, wenn sie an Pfarrer K. und das Verhalten des Bistums denkt: "Das Verschweigen und Vertuschen von Anfang an" macht sie wütend.

Denn K. hatte sich schon an ihren Söhnen vergriffen, während des Osterfestes 1999: "Wir hatten es uns im Viechtacher Kolpinghaus mit anderen Familien gesellig gemacht und die Kinderbetreuung dem Kaplan K. überlassen", sagt Johanna T. Der Priester spielte mit den Kindern Verstecken und lockte sie dabei in besonders abgelegene Ecken.

Dabei bedrängte K. ihren neunjährigen Sohn und betatschte ihn am Geschlechtsteil. Dann verlangte er von dessen zwölfjährigem Bruder Benedikt, sich auszuziehen. Der eingeschüchterte Junge gehorchte dem Geistlichen. K. befummelte Benedikt zwischen den Beinen. Doch Benedikts elfjährige Schwester sah alles mit an - und berichtete auf der Heimfahrt ihren Eltern von den seltsamen Spielchen.

Die Eltern beschwerten sich sofort beim Generalvikar. Aber das Ordinariat in Regensburg habe sie überredet, sagt Johanna T., keine Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Man wolle den Fall im Bistum lieber intern regeln.

Am 25. November 1999 dann wurde ein rechtlich höchst dubioses Abkommen zwischen Familie, Täter und Bischöflichem Ordinariat geschlossen. In dem bislang der Öffentlichkeit unbekannten Vertrag heißt es: "Im wohlverstandenen Interesse der Kinder und auf ausdrücklichen Wunsch der Eltern soll Stillschweigen gewahrt werden." Benedikt erhielt damals 4000 Mark, seine Schwester 1000 Mark, der Bruder 1500 Mark als "Schmerzensgeld" vom Pfarrer.

Die Mutter verlangte vom Bistum aber auch noch die schriftliche Zusicherung, dass der Fummel-Priester nicht wieder in der Jugendarbeit eingesetzt werde: "Ich kann mit der Vorstellung nicht ruhig schlafen, dass er weitere Kinderseelen zerstören könnte."

Die Angst war offenbar berechtigt. Doch der Justitiar des Bistums verweigerte die Zusicherung, dergleichen könne "vom Bischöflichen Ordinariat nicht gutgeheißen werden", schrieb er an die Familie zurück. Die Kirche könne nur versprechen, "dass der künftige Einsatz des Herrn K. erst aufgrund einer sorgfältigen Entscheidung erfolgen wird".

Die von der Fummelei geschockte Familie wollte sich zumindest vorbehalten, den Priester später noch anzeigen zu dürfen. Aber auch das bügelte das Ordinariat ab: "Da der künftige seelsorgliche Einsatz von Herrn K. allein im Kompetenzbereich des Bischöflichen Ordinariates verbleiben soll, wobei bei Art und Zeitpunkt des Einsatzes die Vorfälle berücksichtigt werden, können wir es nicht akzeptieren, dass ... eine Anzeige vorbehalten bleibt."

Die Familie unterschrieb schließlich die Schweigevereinbarung.

Nach etlichen Monaten aber zeigte eine Bekannte des Vaters den Priester dann doch noch an. Der Vater hatte sich der Frau in einer Klinik anvertraut. Nach dem Übergriff auf seine Söhne litt er unter psychischen Problemen. Im Juli 2000 wurde Kaplan K. per Strafbefehl zu zwölf Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt - und zuvor aus Viechtach abgezogen.

Wohin der Pfarrer verschwand, erfuhr die Familie T. zunächst nicht. Und in Riekofen ahnte niemand, woher der neue Geistliche kam. Denn das Bistum hatte die Zeit in Viechtach sorgfältig aus dessen Vita im Pfarrbrief entfernt.

Und schon ab Herbst 2000, als die dreijährige Bewährungszeit gerade mal begonnen hatte, pflegte Peter K. wieder Kontakt zu Ministranten - anders, als Bischof Müllers Leute jetzt behaupten: Die Kirche habe erst eine vierjährige Therapie abgewartet, bevor K. wieder in der Nähe von Kindern eingesetzt wurde, sagte Bistumssprecher Jakob Schötz noch vergangene Woche.

Laut Personalplan war der Kinderschänder tatsächlich als Seelsorger in einem Altenheim beschäftigt. Aber er vertrat an vielen Sonntagen auch den kranken Ortspfarrer im Gottesdienst. Bereits im Frühjahr 2001 feierte Peter K., wie ein Foto beweist, Firmung in Riekofen und segnete dabei mindestens einen Jungen, der laut Zeugenaussagen zu seinen späteren Opfern zählen sollte.

Überhaupt bemühte sich der junge Kirchenmann rührend um die Jugend: Er organisierte Ausflüge, Reisen nach Hamburg und Rom, rauchte mit den Kids schon mal Wasserpfeife im Keller. K. schaffte es, rund 100 Schüler aus der Gemeinde als Ministranten zu werben. Die Eltern waren zufrieden.

Da galt es als glückliche Fügung, dass der Priester 2004 vom Bistum zum Gemeindepfarrer von Riekofen-Schönach berufen wurde, als Nachfolger des Ortsgeistlichen Helmut Grüneisl. "Nicht einmal ich wusste was von Viechtach", beklagt sich Grüneisl. "Man hätte mir das sagen müssen, da wär mir vieles komisch vorgekommen."

Ende Juli schlug dann die Bombe in Riekofen ein. Die Lokalpresse berichtete über den Fall Benedikt. Doch viele Riekofener hielten da noch immer zu ihrem Priester, manche wollten Unterschriften sammeln, damit K. im Amt blieb. Jeder könne schließlich mal Mist bauen, sagten sie. K. jedoch fehlte beim folgenden Sonntagsgottesdienst - ein Nervenzusammenbruch, er lag in der Klinik. Dort besuchte ihn Pfarrer Grüneisl: "Da hat er mir zugesichert, dass das mit Viechtach eine einmalige Sache war."

Im Dorf aber waren Eltern misstrauisch geworden. Einige Familien holten eine Psychologin in die Pfarrgemeinde, die sich sonst für den Weidener Verein Dornrose um missbrauchte Kinder kümmert. Die Frau sprach mit Ministranten, und die begannen zu reden. Die Aussagen von Kindern sind längst nicht immer verlässlich - nicht bei solchen Themen und oft erst recht nicht, wenn sie gezielt befragt werden. Aber die Staatsanwaltschaft Nürnberg, die gegen K. wegen des Missbrauchsverdachts ermittelt, hat inzwischen rund 100 der Kinder auf ihre Zeugenliste gesetzt.

Die Mitglieder des Pfarrgemeinderats glauben nur so viel zu wissen: Seit 2003 soll der Pfarrer, so erzählen es zumindest Kinder, erneut Jungen missbraucht haben. Zunächst auf Ausflügen, später angeblich in seinem Pfarrhaus, in dem er ohne Haushälterin lebte. K. soll die Buben einzeln eingeladen und aus einem Sexualkundebuch vorgelesen haben, sagt ein Vater, der es von Ministranten erfahren hat. Dann habe der Priester die Jungs oft gefragt, ob sie schon einmal Sex hatten. Anschließend soll er zudringlich geworden sein. "Die Übergriffe", mutmaßt der Vater, "waren wohl wesentlich schlimmer als das Geschehen in Viechtach."

Das ist bislang nicht mehr als ein Verdacht: Es könnte sich noch immer um Missverständnisse handeln, verstärkt durch die Phantasie von Kindern. Aber der Pfarrer selbst mag sich zu all dem bislang nicht äußern, nichts aufklären. Und es ist für die Eltern ein sehr schwerwiegender Verdacht, weil er durch K.s Vergangenheit gestützt wird.

Deshalb fühlten sich viele Familien in dem 2000-Einwohner-Sprengel vom Bistum hintergangen und sind enttäuscht, versichern die Pfarrgemeinderäte in einem Pfarrbrief: Die Kirche habe ein "grausames Experiment" mit den Seelen von Kindern gewagt. Der Zorn auf Bischof Müller ist groß.

Doch Müllers Leute halten sich für unschuldig. Das Ordinariat habe ein Gutachten vorliegen, sagt Müllers Sprecher Schötz, wonach Pfarrer K. als geheilt gelte. Der Geistliche habe sich einer Therapie unterzogen und sei erst danach in Riekofen eingesetzt worden.

Bei dem Gutachten aber handelt es sich nur um eine Stellungnahme des Therapeuten, der den Pfarrer behandelte. Und dass K. schon wieder zu Kindern in der Pfarrei Kontakt hatte, als es noch lange kein Gutachten gab, hat man im Ordinariat geflissentlich übersehen.

Bischof Müller, ein strenger Kirchenmann, der seine Ortspfarrer sonst wegen Kleinigkeiten tadelt, vermag keine Schuld bei sich zu sehen - und war deshalb lange für die Riekofener nicht zu sprechen. Stattdessen keilte er zurück, Kritiker würden eine Kampagne gegen ihn starten.

Dabei hat der sanfte Umgang mit Kinderschändern unter Müllers Ägide System. So wurde im Sommer 2004 bekannt, dass ein Pfarrer in Falkenberg über einen Jungen hergefallen war. Die Eltern des Opfers wandten sich an das Bistum, wurden aber nach eigenen Aussagen hingehalten. Erst als sie dann doch zur Polizei gingen, wurde der Priester aus dem Verkehr gezogen.

Der Bischof mag zu Riekofen nichts sagen. Aber immerhin telefoniert er seit Tagen mit Kollegen und sucht Rat in der Frage, ob er denn nun am 23. September dorthin fahren soll, wenn ein neuer Pfarrer eingeführt wird. Er könnte dann zum ersten Mal den Kindern gegenübertreten - und ihren aufgebrachten Eltern.
DER SPIEGEL 38/2007 - 17. September 2007
URL: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,506144,00.html


Schwere Vorwürfe - Bischof schweigt

Müller wird nach Missbrauchsvorwurf gegen Pfarrer scharf attackiert

Riekofen (ism). Das Regensburger Bistum will sich zunächst nicht mehr zu dem offenbar pädophilen Pfarrer von Riekofen (Lkr. Regensburg) äußern. „Es gibt von uns keine Stellungnahmen über die schriftlichen Mitteilungen hinaus“, betonte der bischöfliche Pressesprecher, Jakob Schötz, gestern.
Die schweren Vorwürfe, die von allen Seiten gegen das Ordinariat und Bischof Gerhard Ludwig Müller erhoben werden, kommentiert man in Regensburg nicht. „Was uns wichtig ist, wurde bereits gesagt“, stellte Schötz fest.
Der Vorsitzende der Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern, Johannes Heibel, hat Müller in einem Interview für den mutmaßlichen erneuten Missbrauchsfall sogar verantwortlich gemacht und eine harte Bestrafung des Bischofs gefordert. Wenn sich die Vorwürfe bestätigen, „hätte sich der Bischof in gleichem Maße schuldig gemacht wie der Täter“, sagte Heibel der „SZ“. „Eigentlich müsste er umgehend vom Papst zur Rechenschaft gezogen werden. Der Bischof muss nach meiner Ansicht eine genauso harte Strafe erhalten wie der pädophile Priester“, so Heibel. Auch der Bürgermeister von Riekofen, Armin Gerl, hatte bereits nach Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe dem Ordinariat die Schuld gegeben. Doch das Bistum will darauf nicht eingehen. „Jetzt muss die Justiz ermitteln“, erklärte der bischöfliche Sprecher. „Da können wir gar nicht eingreifen.“
Der 39-jährige Pfarrer von Riekofen steht im Verdacht, sich zwischen 2003 und 2006 mehrmals an einem Ministranten vergangen zu haben. Der Bub sei bei dem mutmaßlichen ersten Übergriff zehn Jahre alt gewesen, bestätigte Dr. Andreas Quentin, Sprecher der Nürnberger Staatsanwaltschaft. Der Pfarrer sitzt seit der vergangenen Woche in Untersuchungshaft.
Der Mann hatte bereits als Kaplan in Viechtach (Lkr. Regen) zwei Buben missbraucht. Im Jahr 2000 war er per Strafbefehl zu einer einjährigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Nach einer Therapie und einer vierjährigen Bewährungszeit in einem Altenheim sah das Bistum den Priester als geheilt an. Daraufhin bekam er die Stelle in Riekofen.
Der Pfarrer ist inzwischen suspendiert. Zu seinem Nachfolger hat Bischof Müller am Montag Prälat Gottfried Dachauer ernannt. Demnächst solle ein Gespräch zwischen dem Pfarrgemeinderat und Vertretern des bischöflichen Ordinariats stattfinden, kündigte Bistumssprecher Schötz an. Der Termin werde jedoch nicht bekannt gegeben. Schötz: „Das Gespräch ist nichtöffentlich.“

5.9.07 www.pnp.de


Sexskandal im Vatikan vertuscht?

Der persönliche Sekretär von Papst Johannes Paul II. und jetzige Krakauer Erzbischof, Kardinal Stanislaw Dziwisz, könnte einen Sexskandal von Priestern im Vatikan vertuscht haben.
Dies berichtete die polnische Tageszeitung „Glos Wielkopolski“ am heutigen Freitag. Dziwisz soll schriftlich über Sexaffären um Erzbischof Juliusz Paetz und den Gründer der Legionäre Christi, Pater Marcial Maciel Degollado, informiert worden sein. Laut der Zeitung hatte Dziwisz die Nachrichten vor dem Papst aber verheimlicht.
Laut „Glos Wielkopolski“ schrieb eine Gruppe von Priestern und katholischen Laien im August 2000 - zwei Jahre bevor der Medienskandal um den Posener Erzbischof Paetz aufflog - einen Brief über Fälle sexueller Belästigung von Seminaristen durch den Hierarchen. Der Brief wurde nach Rom geschickt und auch Kardinal Dziwisz mit der Bitte um Intervention beim Papst überreicht. Laut der Zeitung weist alles darauf hin, dass Dziwisz die Nachricht nicht weiterleitete. Über sexuelle Belästigung der Seminaristen durch Paetz erfuhr der Papst erst viel später.
Ähnliche Vorwürfe richtet die Zeitung gegen den Kardinal auch in einer anderen Affäre: Pater Marcial Maciel Degollado soll acht minderjährige Legionäre Christi sexuell missbraucht haben. Dziwisz bekam im Dezember 2002 einen Brief des mexikanischen Paters Antonio Ornelas, der über Dellogados Vergehen berichtete. Auch in diesem Fall hatte Dziwisz nach Angaben der Zeitung die Nachricht nicht an Papst Johannes Paul II. weitergeleitet. Dellogado wurde erst nach drei Jahren im Mai 2006 von Papst Benedikt XVI. zum Rücktritt gezwungen und bestraft.
„Das ist ein Skandal großer Klasse“, kommentierte Erzbischof Jozef Zycinski am Freitag im Radio Tok FM den Zeitungsartikel. Er ist der Auffassung, dass das verzögerte Handeln des Papstes aus dem Bedarf nach einer sorgfältigen Untersuchung der einzelnen Fälle resultiere und man Dziwisz auf keinen Fall für den Versuch einer Vertuschung von kirchlichen Sex-Affären verantwortlich machen könne.
Vorarlberg Online - News Welt - Freitag, 26. Jänner 2007 14:20:39
URL: http://www.vol.at/engine.aspx/page/vol-article-detail-print-page/cn/news-20070126-02203847/dc/tp:vol:news-welt


Ex-Priester (84) gesteht Missbrauch von 47 Mädchen

Ottawa - Ein ehemaliger katholischer Priester hat zugegeben, 47 Mädchen sexuell missbraucht zu haben. Der heute 84 jährige Charles Sylvestre gestand vor Gericht in Ottawa (Kanada) die Taten zwischen 1954 und 1985 ein. Er lockte die Mädchen mit Süßigkeiten auf seinen Schoß, streichelte ihre Brüste und Genitalien. Die Gemeinde des Ex-Geistlichen bat die Opfer um Verzeihung. Ein Kirchensprecher sprach vom "wahrscheinlich schlimmsten Missbrauchsfall" Kanadas. Erst 2004 hatte das erste Opfer den Mut gefunden Sylvestre zu beschuldigen.

Bild am Sonntag 6.8.06


Priester wegen Mordes an 71-j. Nonne verurteilt

Ein Priester in den USA ist wegen Mordes an einer Nonne zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden. Ein Geschworenengericht in Toledo im Bundesstaat Ohio verkündete das Urteil in dem bereits mehr als 25 Jahre zurückliegenden Mordfall nach sechsstündiger Beratung.
sda] - Der Geistliche kann frühestens nach 15 Jahren auf Bewährung frei kommen. Der 68-Jährige Gerald Robinson trug zur Urteilsverkündung seinen Priesterkragen, sagte aber - wie während des gesamten Prozesses - kein Wort. Die Motive der Tat blieben unklar. Viel spekuliert wurde über einen satanistischen Hintergrund.
Die Nonne war im April 1980 tot in einer Spitalkapelle gefunden worden, wo sie zusammen mit dem Priester gearbeitet hatte. Die 71-Jährige war erwürgt und mit 31 Messerstichen traktiert worden. Die neun Stiche in ihrer Brust hatten die Form eines umgedrehten Kruzifixes.
Ihre Unterwäsche war bis auf die Knöchel heruntergezogen, die Leiche mit einem Altartuch bedeckt. Der Okkultismus-Experte Jeffrey Grob von der Erzdiözese Chicago sagte während des Prozesses aus, der Mörder habe mit Sicherheit Kenntnisse von satanistischen Ritualen gehabt.
Die Anklage folgte diesem Erklärungsmuster allerdings nicht. Es handle sich um ein "gewöhnliches" Verbrechen, in dem ein "sehr wütender" Mann eine Frau getötet habe, sagte Staatsanwalt Dean Mandros. Der einzige Unterschied sei, dass es sich bei Täter und Opfer um Geistliche handle.
Laut Anklage fühlte sich Robinson durch seine Arbeit in dem von einem Schwesternorden betriebenen Spital herabgesetzt. Ausserdem sei er mit dem herrischen Auftreten der Nonne nicht klar gekommen. Den Mord habe Robinson als Verhöhnung katholischer Rituale inszeniert, um sein Opfer noch im Tode zu erniedrigen.
http://de.bluewin.ch/news/index.php/vermischtes/news/20060511:brd208


US-Diözese einigt sich mit Missbrauchsopfern

Eine Diözese in Kentucky will 85 Millionen Dollar Entschädigung an Hunderte Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester zahlen. Die Missbrauchsfälle hatten sich in einem Zeitraum von 50 Jahren ereignet.
Louisville - Ein Richter stimmte jetzt der Einigung zwischen den Opfern und der Diözese Covington zu. Das Geld kommt 361 Klägern zugute, die alle von Geistlichen missbraucht wurden. Richter John Potter erklärte, das Geld könne das Geschehene nicht wieder gut machen, die Kirche meine es jedoch ehrlich mit ihrem Wunsch, die Opfer zu entschädigen.

Die Kläger erhalten je nach Ausmaß des Missbrauchs zwischen 5000 und 450.000 Dollar. Die Einigung ist eine der teuersten für die katholische Kirche mit amerikanischen Missbrauchsopfern. Die Diözese Orange in Kalifornien erklärte sich 2004 zur Zahlung von 100 Millionen Dollar bereit, um 90 Kläger zu entschädigen.

dab/AP

SPIEGEL ONLINE - 01. Februar 2006, 10:14
URL: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,398475,00.html


Priester soll Nonne vergewaltigt haben

Im süditalienischen Kalabrien ist ein 69-jähriger Franziskanerpriester verhaftet worden. Zusammen mit anderen Männern soll er in einem Armenhaus eine Nonne mehrfach vergewaltigt und die Taten auf Video aufgezeichnet haben, berichtet eine italienische Nachrichtenagentur.
Cosenza - Auch ein Vertrauter des Geistlichen sei inhaftiert worden, meldet die Nachrichtenagentur Ansa. Dem Bericht zufolge arbeitete die Nonne in einem Heim für Arme und Gestrauchelte. Die Misshandlungen hätten sich im vergangenen Jahr ereignet. Neben der Nonne berichteten noch drei weitere Frauen von sexuellen Attacken oder versuchten Vergewaltigungen.

Gynäkologen hätten die Frau untersucht und die Vorwürfe bestätigt, berichtet Ansa. Der inhaftierte Franziskaner bestreitet die Tat: "Die Anschuldigungen gegen mich sind rein erfunden." Seiner Aussage nach ist die Frau geistig nicht zurechnungsfähig.

SPIEGEL ONLINE - 23. Januar 2006, 13:24
URL: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,396813,00.html


Überblick über Missbrauchs-Zahlen

Erstmals Überblick über Missbrauchs-Zahlen in katholischer Kirche

Baden-Baden (dpa) - Erstmals hat die katholische Kirche in Deutschland einen Überblick über die Zahl der Missbrauchsfälle durch Priester ermöglicht. Für eine Dokumentation des Südwestrundfunks (SWR/Baden-Baden) sammelte der Filmemacher Thomas Leif schriftlich die Zahl der Missbrauchsfälle in allen deutschen Bistümern. Mindestens 47 Fälle seien in den vergangenen 30 Jahren eingeräumt worden, sagte Leif am Freitag in Baden-Baden. Bisher hatten sich lediglich einzelne Diözesen im Zusammenhang mit aktuellen staatsanwaltlichen Ermittlungen über die Zahl sexueller Übergriffe in ihrem Bistum geäußert.
Nun hätten mehr als die Hälfte der 27 deutschen Bistümer «qualifiziert geantwortet», sagte Leif. «Die 47 ist sicherlich nicht die wahre Zahl», stellte Leif fest. Die Dokumentation «Tatort Kirche: Sexueller Missbrauch durch Priester» wird nach SWR-Angaben an diesem Sonntag (1. September) in der ARD ausgestrahlt. Erstmals komme hier auch ein Täter zu Wort, der bisher nicht bestraft worden sei. Der anonym gefilmte Wiederholungs-Täter spreche erstmals über seine Verbrechen und sagte: «Meine stärkste Erfahrung war, dass die Kirche den Mantel der christlichen Nächstenliebe über meine Taten gedeckt hat». Die Praxis des «Vertuschens durch Versetzen» prangere im Film auch eine junge Frau an, die als Sechsjährige von einem Priester sexuell missbraucht worden sei.
Einige Diözesen haben nach SWR-Angaben Informationen verweigert. Das Bistum Dresden-Meißen begründete dies, weil «wir uns mit der Weise der gegenwärtigen Behandlung dieses sensiblen Themas in den Medien nicht einverstanden erklären», zitiert der SWR aus der Absage. Münster, Augsburg, Bamberg und Freiburg verweigerten demnach konkrete Angaben oder verwiesen auf «einige wenige Fälle».
Nach Angaben von Leif gehen vor allem die Bistümer Hildesheim und Rottenburg-Stuttgart offen mit dem Thema sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche um. So will Bischof Gebhard Fürst aus Rottenburg- Stuttgart die konkreten Leitlinien seiner Diözese zum Umgang mit aufgedeckten Missbrauchsfällen Mitte September veröffentlichen.
Auf der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz Ende September (23. bis 26. September) in Fulda will die katholische Kirche voraussichtlich einheitliche Richtlinien für den Umgang mit dem Missbrauchs-Thema verabschieden. Das Bekanntwerden zahlreicher sexueller Missbrauchsfälle durch katholische Geistliche hatte im Frühjahr die amerikanische Kirche erschüttert. Im April zitierte Papst Johannes Paul II. 13 amerikanische Kardinäle nach Rom und gab die künftige Linie «Null-Toleranz» vor.
(Baden Online 08.2002)


Sexueller Missbrauch - Priester - Gericht

Meist lange Jahre unbemerkt
Sexueller Missbrauch bringt Priester nicht selten vor Gericht
Fälle sexuellen Missbrauchs durch Priester der katholischen Kirche werden meistens erst dann bekannt, wenn sie bereits strafrechtliche Konsequenzen für den Täter haben. Die Deutsche Presse-Agentur hat einige Missbrauchsfälle aus den vergangenen Jahren in Deutschland aufgelistet. Sie haben allesamt überregional für erhebliches Aufsehen gesorgt .

1993: Ein 44 Jahre alter Pfarrer aus dem hessischen Kreis Bergstraße wird wegen sexueller Nötigung zweier Mädchen zu zwei Jahren Haft mit Bewährung verurteilt. Richter befinden ihn für schuldig, zwei damals 14 und 16 Jahre alte Schwestern in vier Fällen missbraucht zu haben. Der Priester hatte die Taten vor Gericht gestanden.
1994: Ein katholischer Pfarrer aus der nordrhein-westfälischen Stadt Krefeld wird wegen sexuellen Missbrauchs an einem neunjährigen Jungen zu vier Jahren Haft verurteilt.
1995: Gegen einen 44 Jahre alten Pfarrer aus Gilching in der Nähe von München wird wegen des Besitzes von Kinderpornos auf Videokassetten ermittelt. Der Pfarrer wird daraufhin von seiner Landeskirche vom Dienst suspendiert.
1995: Ein 67 Jahre alter Pfarrer aus dem niedersächsischen Hildesheim wird in den Ruhestand versetzt. Er hatte zuvor zugegeben, sich an mehreren minderjährigen Jungen vergangen zu haben. Es gab in diesem Fall allerdings kein kirchliches Gerichtsverfahren, da die Taten des Pfarrers bereits verjährt waren.
1996: Ein 47 Jahre alter Pfarrer in Wangen/Allgäu verzichtet nach Vorwürfen sexueller Verfehlungen auf sein Pfarramt. Das Ordinariat hatte ihn bereits beurlaubt. Ein Gerichtsverfahren wird schließlich eingestellt.
1996: Ein 65 Jahre alter katholischer Priester aus Haren im Emsland wird zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und darüber hinaus zu einer Geldstrafe verurteilt. Der inzwischen pensionierte und in einem Kloster lebende Pfarrer soll sich acht Jahre lang in insgesamt 225 Fällen an 14 Messdienern und Erstkommunikanten vergangen haben.
1998: Ein 67 Jahre alter Pfarrer aus dem oberschwäbischen Bergatreute wird wegen sexuellen Missbrauchs zu neun Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt und muss zudem eine Geldstrafe in Höhe von 5000 Mark zahlen. Er soll im Religionsunterricht an einer Schule mehrfach zehn bis zwölf Jahre alte Mädchen belästigt haben.
1999: Ein 39 Jahre alter Pfarrer aus dem schwäbischen Ort Wald wird zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Ihm halten die Ermittler sexuellen Missbrauch in 59 Fällen vor. Opfer waren zwei Jungen und ein Mädchen im Alter zwischen elf und 14 Jahren.
2000: Ein katholischer Pfarrer aus dem Landkreis Coburg in Bayern wird wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Der 60 Jahre alte Mann soll sich an drei Jungen im Alter von neun und elf Jahren vergangen haben. Ein Vater hatte ihn während des Weihnachtsgottesdienst in der Kirche des Missbrauchs seines Sohnes bezichtigt.
2000: Ein 45 Jahre alter Priester aus Südbaden wird wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt. Der Pater, der einer konservativen Bruderschaft angehörte, hatte sich an zwei Jungen im Alter von sechs und acht Jahren sexuell vergangen und einen von ihnen zum Oralverkehr gezwungen.
April 2002: Ein 40-jähriger Pfarrer aus dem bayerischen Ort Sandberg erstattet bei der Polizei Selbstanzeige, dass er einen Jungen sexuell missbraucht hat. Die Diözese Würzburg entbindet daraufhin den Mann mit sofortiger Wirkung von seinen priesterlichen Pflichten und informiert die römischen Behörden der katholischen Kirche - es ist das erste Mal, dass ein solcher Rapport an den Vatikan öffentlich bekannt wird.
Juli 2002: Das Bistum Mainz beurlaubt einen Priester aus Rüsselsheim im südhessischen Kreis Groß-Gerau. Er steht im Verdacht des sexuellen Missbrauchs eines Jugendlichen. Der Priester soll sein Unwesen über Jahre hinweg unbemerkt getrieben haben. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann kündigte in diesem Zusammenhang am Montag schließlich an, den Vorwürfen rasch und intensiv nachgehen zu wollen.


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