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Kirchenskandale
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Inhalt:
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• Domküster dealt mit Heroin aus Kirchen-Safe • Haftstrafe: Priester wollte 1/2 Mio € mit Kokaindeal verdienen • Priester hilft Terroristen • Nonne stirbt qualvollen Tod am Kreuz • Peru: Kirche deckt Gewalt • Auch Atheisten müssen zahlen • Schläge und Missbruch im Namen Gottes • Voodoo auf katholisch? • Kinder-KZ in Thüringen • Schwere Vorwürfe gegen das evang. Gemeindeamt
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Domküster dealt mit Heroin aus Kirchen-Safe
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Der Domküster von Halberstadt ist als mutmaßlicher Drogendealer festgenommen worden. Die Polizei stellte in der Kirche Marihuana und Heroin sicher.
Der Domküster von Halberstadt (Sachsen- Anhalt) ist wegen des Verdachts auf illegalen Drogenhandel festgenommen worden. Der 47-Jährige solle sich in großem Stil als Rauschgiftdealer betätigt und den «Stoff» im Dom St. Stephanus zwischengelagert haben, teilte die Polizei am Donnerstag mit. Bei einer Durchsuchung der Kirche seien in einem Wandsafe im Heizungsraum 27 Gramm Heroin sichergestellt worden.
Bei der Festnahme des Mannes in Magdeburg wurden zudem drei Kilogramm Marihuana gefunden, die er zuvor einem niederländischen Lastwagenfahrer abgekauft haben soll. Noch im Tagesverlauf sollte gegen den Mitarbeiter des Evangelischen Kirchspiels Haftbefehl wegen illegalen Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringen Mengen erlassen werden.
Die Evangelische Kirche zeigte sich bestürzt und suspendierte den seit 18 Jahren beschäftigten Domküster mit sofortiger Wirkung vom Dienst. Über eine fristlose Kündigung will der Gemeindekirchenrat in der kommenden Woche entscheiden. Pfarrer Harald Kunze belegte den 47-Jährigen zudem mit einem Hausverbot für den Dom.
«Ich bin schockiert», sagte der Bischof der Kirchenprovinz Sachsen, Axel Noack. «Nicht nur, weil ein Gotteshaus missbraucht worden ist. Noch schwerer wiegt, dass ein hauptamtlicher Beschäftigter unserer Kirche offensichtlich in ein Milieu verstrickt ist, das für den eigenen Vorteil großes Leid von Menschen billigend in Kauf nimmt.» Der Superintendent des Kirchenkreises Halberstadt, Christoph Hackbeil, sagte: «Mich macht der Fall angesichts des kirchlichen Engagements in der Suchtprävention richtig wütend.» (dpa) 07. Jun 2007 13:09 URL dieses Artikels: http://www.netzeitung.de/vermischtes/667350.html
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Priester wollte 1/2 Mio € mit Kokaindeal verdienen
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Ein italienischer Priester muss dreieinhalb Jahre ins Gefängnis, weil er Drogen im Wert von geschätzt 500.000 Euro verkaufen wollte. Seine Rohware hatte er vom Ersparten in Kolumbien gekauft.
Rom - Ein italienisches Gericht hat einen Priester wegen Kokainbesitzes zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Der 44-jährige Stefano Ciacca habe die Drogen im Schätzwert von einer halben Million Euro verkaufen wollen, meldete die Nachrichtenagentur Ansa am Donnerstag.
Ein Spürhund habe in einem an den Decknamen "Don Ziliotti" in Perugia adressierten Paket aus Südamerika die Droge erschnüffelt und die Ermittler so auf Ciaccas Spur gebracht. Der Geistliche wolle nichts vom Inhalt des Päckchens gewusst haben. Bei einer Hausdurchsuchung entdeckte die Polizei Ansa zufolge aber eine kleine Waage, Substanzen zum Strecken des Kokains und Marihuana.
Zusammen mit Ciacca wurde auch ein Komplize verurteilt. Ansa zufolge waren die beiden Männer im vergangenen Jahr nach Kolumbien gereist und hatten dort Ciaccas Ersparnisse in Kokain investiert, das sie dann per Post nach Itailen schickten.
plö/AFP
SPIEGEL ONLINE - 12. April 2007, 21:10 URL: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,476955,00.html
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Priester hilft Terroristen
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Geistlicher schmugelt angeblich Briefe aus dem Knast Düsseldorf - Total verdreht: Ein katholischer Geistlicher soll in einem Wuppertaler Gefängnis Briefe mutmaßlicher El-Kaida-Terroristen an der Post-Kontrolle vorbei aus dem Gefängnis geschmuggelt haben. Außerdem habe er Internet-Recherchen für die Gefangenen erledigt. Vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht wollte sich der Priester nicht zu den Vorwürfen äußern. Welchen Inhalt die Briefe hatten? Unklar. Die Kirche sei schuld. Sie habe ihm keine Aussagegenehmigung erteilt. Außerdem sei "die seelsorgerische Arbeit und damit das Beichtgeheimnis berührt", sagte sein Anwalt. Der Vorsitzende Richter kündigte an, den Generalvikar des Erzbistums Köln vorzuladen. Der Richter bezweifelte, dass sich der Geistliche auf ein Aussageverweigerungsrecht berufen könne: "Das hat mit Seelsorge nichts zu tun." Zum ersten Mal stehen in diesem Prozess mutmaßliche El-Kaida-Terroristen wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen Terrorgruppe in Deutschland vor Gericht. Den Angeklagten drohen bis zu zehn Jahren Haft. Dem 30-jährigen Hauptangeklagten wird vorgeworfen sich über Mittelsmänner bemüht zu haben, an atomwaffenfähiges Nuklearmaterial zu gelangen. Außerdem habe er in Deutschland Selbstmordattentäter für Anschläge im Irak rekrutiert. Gemeinsam habe das Trio versucht, durch Versicherungsbetrügereien mehrere Millionen Euro für den "Heiligen Krieg" zu sammeln. Anschläge in Deutschland seien allerdings nicht geplant gewesen. Express.de 10.8.06
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Nonne stirbt qualvollen Tod am Kreuz
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Eine junge Nonne ist in Rumänien auf brutale Weise getötet worden, weil sie angeblich vom Teufel besessen war. Ein Priester und vier Mitschwestern hatten die 23-Jährige tagelang an ein Kreuz gefesselt. Der Abt des Klosters nannte die Kreuzigung "genau das Richtige".
Bukarest - Von Gläubigen gerufene Sanitäter fanden die junge Frau im Kloster zur heiligen Dreifaltigkeit in Tanacu tot an ein Kreuz gefesselt, teilte die Polizei in der Provinzstadt Vaslui mit. Die Schwester habe seit drei Tagen geknebelt am Kreuz gehangen. Zuvor sei das Opfer mehrere Tage an Händen und Füßen gefesselt ohne Wasser und Nahrung in einem Anbau des Klosters gefangen gehalten worden. Der Priester und die vier Nonnen erklärten nach Polizeiangaben, die junge Frau sei vom Teufel besessen gewesen.
Nach Aussage der Polizei lebte die Nonne erst seit drei Monaten in dem Kloster im Nordosten Rumäniens. Nach einem Besuch bei einer Freundin habe der Priester, der sie jetzt exorzierte, ihr geraten zu bleiben. "Sie war krank und besessen. Wir haben mehrere Messen gelesen, um den Bann zu lösen. Deshalb haben wir vom religiösen Standpunkt her genau das Richtige getan", sagte der Abt des Klosters von Tacanu, Bruder Daniel, der Nachrichtenagentur Mediafax.
Der Abt des Klosters im nahen Golia nannte die Kreuzigung hingegen "unentschuldbar". Der orthodoxe Patriarch in Bukarest, Bogdan Teleanu, sagte der Nachrichtenagentur AFP, er könne den Fall nicht beurteilen, weil er nicht wisse, "was die junge Frau getan" habe. (Spiegel Online 16. Juni 2005)
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Peru: Kirche deckt Gewalt
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Guerillatruppen in Peru Die katholische Kirche hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten in Peru Gewalttaten der Armee und der Polizei gedeckt und unterstützt. In einem Untersuchungsbericht der "Kommission für Aussöhnung und Wahrheit" des peruanischen Parlaments über den Zeitraum 1980 bis 2000 heißt es dazu zwar nur vorsichtig, die Würdenträger der Kirche hätten sich "nicht hinreichend für Menschenrechte eingesetzt". Gegenüber der Tageszeitung Junge Welt (30.9.03) wurde der Parlamentsabgeordnete Javier Diez Canseco jedoch deutlicher: "Als die Morde im Gebiet Ayacucho Mitte der neunziger Jahre ihren Höhepunkt erreichten und sogar Frauen und Kinder abgeschlachtet wurden, stellte sich der damalige Erzbischof Juan Luis Cipriani Thorne schützend vor Polizei und Armee." Es sei kein Zufall, so Canseco weiter, dass Cipriani Mitglied des Opus Dei sei. Nach dem Sturz von Diktator Fujimori wurde Cipriani trotz massiver Kritik an seiner Person vom Vatikan zum Kardinal von Lima ernannt. Mehrere Vertreter der "Theologie der Befreiung", die von der rechtsgerichteten katholischen Geheimsekte Opus Dei bekämpft wird, verließen daraufhin eilends das Land. Wohl nicht ganz unbegründet: In den vergangenen Jahrzehnten kamen in Lateinamerika immer wieder Anhänger der Befreiungstheologie unter mysteriösen Umständen ums Leben. (Mahnmal aktuell, Ausgabe 2/2004)
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Auch Atheisten müssen zahlen
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Rüde Praktiken der Ost-Kirchensteuerämter Auch Atheisten müssen zahlen Kirche noch nie besonders zimperlich. Im Mittelalter wurden sogar regelrechte Kreuzzüge angeordnet (wie gegen die Stedinger Bauern), wenn die Bürger oder Bauern nicht zahlungswillig waren. Da können die ehemaligen DDR-Bürger ja noch von Glück reden: Ihnen droht "nur" der Gerichtsvollzieher... In den letzten Monaten häufen sich die Fälle von Mitbürgern aus den neuen Bundesländern, die der festen Überzeugung waren, längst aus der Kirche ausgetreten zu sein - die aber nun Zahlungsbescheide über mehrere Tausend Euro erhalten. Die Kirche betrachtet sie nämlich durchaus noch als zu melkende Kirchenschafe. Wie zum Beispiel Carmen M. (49), die zwar als Kind evangelisch getauft wurde, als Studentin jedoch offiziell aus der Kirche austrat. Auf dem DDR-Standesamt wurde ihr Name in eine Liste eingetragen; sie erhielt keine schriftliche Bestätigung. 1999 sollte sie dann plötzlich 1015 Mark Kirchensteuer nachzahlen. Ihr Einspruch blieb wirkungslos - denn im Standesamt waren keine Unterlagen mehr vorhanden. Carmen M. eine zum Anwalt; der Prozess ist anhängig (Super-Illu 27/03). Bürger, die sich die "mittelalterliche Wegelagerei" (Freitag 47/03) nicht gefallen lassen und vor Gericht ziehen, sind jedoch in der Minderheit. Die Mehrzahl scheut langwierige Verfahren mit ungewissem Ausgang - denn ein Urteil steht noch aus. Christina M. (53) etwa, die seit ihrer Taufe nie mehr etwas mit der Kirche zu tun hatte, deren Eltern schon in den 50er Jahren aus der Kirche ausgetreten waren, die nie konfirmiert wurde, der in späteren Jahren sogar die Übernahme einer Taufpatenschaft verweigert wurde, weil sie ja nicht in der Kirche war - sie zahlte am Ende doch die 3463 Mark, die 2001 von ihr verlangt wurden. Auch sie hatte nichts Schriftliches in der Hand. Das besonders Perfide am Vorgehen der Kirchen: Sie weigern sich, die für Ämter übliche Praxis zu übernehmen, wonach das Amt dem Bürger nachweisen muss, dass er eine falsche Auskunft gab. "Amtsermittlungspflicht" nennt man das. Die Kirche, die ansonsten staatliche Privilegien in Anspruch nimmt, wo immer dies möglich ist, will von staatlichen Pflichten nichts wissen. Sie treibt gnadenlos ein, was immer zu holen ist, setzt einfache Bürger mit Juristendeutsch unter Druck und schüchtert sie ein - nur um ein paar Euro mehr in die Kasse zu bekommen. Wie es in den Seelen der Neubürger aussieht, ist ihr offensichtlich egal: Hauptsache, er zahlt! "Der Humanistische Verband Deutschlands vermutet, dass die Kirchenämter zusätzliches Personal eingestellt haben, um die Taufregister mit den Finanzämtern abzugleichen", so Freitag (47/03). "Die Suche nach zahlenden Mitgliedern stehe jedenfalls in keinem Zusammenhang mit der akuten Finanznot der Kirchen im Osten, lässt die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg verkünden. "Natürlich nicht. Sie mögen manche schwere Nöte haben, aber sicherlich keine Finanznot. (Mahnmal aktuell, Ausgabe 2/2004)
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Schläge und Missbruch im Namen Gottes
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Pierre, Marion und Gisela sind Ex-Heimkinder aus Ostwestfalen-Lippe. Heute können sie offen über die Zeit sprechen, in der sie von Ordensschwestern misshandelt wurden. Mit einer bundesweiten Interessengemeinschaft wollen sie jetzt weitere Opfer ausfindig machen und Entschädigung fordern. Freitags war kein guter Tag für den kleinen Pierre de Picco. Freitags war Fisch-Tag im St. Hedwig-Kinderheim in Lippstadt. Und den mochte er nicht, übergab sich meistens über seinem Teller. "Ich musste das Erbrochene immer wieder aufessen", erinnert sich der heute 46-Jährige mit Grausen an seine Zeit im katholischen Kinderheim. Der Badetag erwies sich als Tortur. "Wir wurden ins heiße Wasser gesteckt, bis unsere Haut krebsrot war" sagt er und streicht sich dabei über die Arme, als ob er das Brennen heute noch spüren würde. Geschlagen mit Stöcken, Peitschen. Die Weidenruten, mit denen die Kinder geschlagen wurden, mussten sie selbst schnitzen. "Einmal warf mich eine der Schwestern durch die Scheibe", sagt Pierre und zeigt seine verbliebene Narbe am Oberarm. Lange hat Pierre de Picco gebraucht, um über seine Schreckenserlebnisse zu reden. Während eines Kuraufenthalts in den 90er Jahren brach es dann aus ihm heraus, einfach so. "Ich habe Bäche geweint", erzählt er. Und dann hat er sich auf die Suche nach seinen Akten gemacht, wollte seine Vergangenheit aufarbeiten. Außerdem hat er angefangen, seine Erlebnisse in Gedichten und Gemälden auszudrücken. Zehntausende Opfer Mit sechs Jahren hatte man ihn eingewiesen, weil das Jugendamt befand, dass seine Mutter mit einem Dutzend Kinder von verschiedenen Männern zur Erziehung nicht mehr in der Lage war. "Ich hatte auf einem Bauernhof gelebt, ganz frei in der Natur" sagt er mit wehmütigem Augenausdruck. Neun Jahre war er im Heim eingesperrt, wurde von den Nonnen "im Namen Gottes" geschlagen, gedemütigt, über ein Jahr lang sexuell missbraucht. Seit er mit seinen Erlebnissen an die Öffentlichkeit geht und sich die deutschen Medien zunehmend mit dem Thema beschäftigen, hat er viel Resonanz von Leidensgenossen erhalten.... "Die Bundes-Interessengemeinschaft der missbrauchten und misshandelten Heimkinder in Deutschland von 1945 bis 1985" will weitere Opfer zum Reden bringen: "Was uns widerfahren ist, muss hunderttausenden Anderen passiert sein", schätzt Pierre. Viele seien in lebenslanger psychiatrischer Behandlung, dem Alkoholismus verfallen, nicht wenige hätten sich umgebracht. Lebendigkeit wurde bitter bestraft M. Z. hat ihre zahlreichen Selbstmordversuche überlebt. Ihre Leidensgeschichte begann sehr früh: Mit zehn Monaten hatte sie ihre alleinerziehende Mutter ins Paderborner Bonifatius-Heim gegeben, weil sie mit ihrer Tochter nicht mehr klarkam. "Ich war ein Zappelphilipp", erklärt die heute 47-Jährige. Bis zum sechsten Lebensjahr wurde sie nachts ans Bett geschnallt, tagsüber an einen Stuhl gefesselt. Die Nonnen, die dem Vincentinerinnen-Orden angehörten, hatten noch weitere Foltermethoden für die kleine Marion vorgesehen: Sie hielten ihren Kopf unter eiskaltes Wasser, um ihren Spieldrang zu drosseln. Als Marion die Kälte nicht mehr spürte, erhöhten die Schwestern die Dosis: Sie wurde in ein kaltes Bad gesetzt und unter Wasser getaucht - bis zur Bewusstlosigkeit. "Weil ich evangelisch war, feierte man dort auch nicht meinen Geburtstag" sagt sie mit traurigem Blick, als ob es gestern vorgefallen wäre. Vom Regen in die Traufe Heim Nummer zwei war für Marion das evangelische Diakonissen-Heim im westfälischen Scherfede. Liebe bekam man im Heim nicht, dafür Sadismus: So wurden die Kinder zum Baden in den Fluss Diemel geschickt, in dem haufenweise Blutegel schwammen. Die Schwestern hätten eine Freude daran gehabt, den Kindern dabei zuzuschauen, wie sie versuchten, sich von den Würmern zu befreien."... Als sie einmal rausgelassen wurde, sei sie "reflexartig" auf den Balkon gerannt, um sich hinunterzuwerfen. "Ich war schon damals ziemlich depressiv", erzählt sie. Mit Valium ruhig gestellt Und irgendwann war sie dann drogenabhängig, denn auch mit Medikamenten versuchten die Nonnen, Marion zu "disziplinieren". Valium und Truxalettensaft waren damals die gängigen Beruhigungsmittel für Heimkinder.... Ein Schrecken ohne Ende. "Eigentlich geht es mir erst besser, seit ich die anderen kennengelernt habe", sagt sie. Heute hat Marion Rheuma und Arthrose, ist aber nur noch "latent suizidal". "Und ich gehe zum ersten Mal aufrecht", sagt sie... Als Gisela N. Marion vor ein paar Jahren kennenlernte, war sie sich fast sicher, dass sie eine Leidensgenossin vor sich hatte. "Ich sehe das im Ausdruck der Augen", so Gisela.... Gisela kam als 15-Jährige in ein Dortmunder Erziehungsheim, das vom Vincentinerinnen-Orden geleitet wurde. Sie hatte auf einem Stadtfest Rock'n Roll getanzt und ist eine Nacht nicht nach Hause gekommen. Als "verwahrlost" wurde sie eingeliefert, so schnell ging das damals. "Verwahrlost wurde ich erst im Heim".... Am schlimmsten empfand sie das erzwungene Singen von Liedern, in denen Gott gedankt wurde für all das Gute, was ihnen auf Erden geschah: "Ich hatte das Gefühl, dass mir auch noch meine Gedanken genommen werden." Die junge Frau wurde fast verrückt, zwei Jahre lebte sie hinter mehrfach verriegelten Fenstern, durfte nie an die frische Luft. Weil sie ein Lied ihres geliebten Elvis vor sich her sang, wurde sie in Isolierhaft gesperrt... 42 Jahre lang hat Gisela über ihre Erlebnisse geschwiegen. Bis der Film "Die unbarmherzigen Schwestern" ins Kino kam, der von ähnlichen Misshandlungen in irischen Heimen erzählte. Die 58-Jährige vergleicht die Zeit im Heim mit einem katholischen "Taliban-Regime". Wie die meisten der Ex-Heimkinder ist sie aus der Kirche ausgetreten: "Die mit den dicken Kreuzen sind die Schlimmsten." Pierre wirft ein: "Es war ein Terrorregime, eine Kombination aus Nazi-Ideologie und fanatischem Katholizismus." Alle fordern sie Entschädigung, auch für die Zwangsarbeit, die sie verrichtet haben. Es war üblich, dass die Kinder und Jugendlichen umsonst in Großwäschereien, Großküchen oder Großschreinereien arbeiteten. Es kommt das Gefühl auf, die Kirchen hätten allgemeine Folter-Richtlinien herausgegeben, so sehr ähneln sich die Geschichten der Opfer. (TAZ NRW, 20.1.04)
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Voodoo auf katholisch?
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Priester vergiftet 64 Gläubige In der Republik Kongo starben 64 Bewohner eines Urwalddorfes, nachdem sie einen "Zaubertrank" eingenommen hatten, den der katholische Dorfpfarrer zusammengemischt hatte. Das Getränk war Teil einer "Reinigungszeremonie", bei der die Gläubigen von ihren Plagen und Sünden "erlöst" werden sollten. Der Priester ist auf der Flucht. Insgesamt hatten 100 Personen an der Zeremonie teilgenommen und von dem Trank gekostet. Auch andere Priester aus der Gegend hatten in letzter Zeit derartige Zeremonien angeboten und durchgeführt - allerdings mit weniger dramatischem Ausgang. Der Vorfall zeigt, wie nahe verwandt die katholische Kultreligion den heidnischen Ritualen ist, wie sie in Afrika seit Jahrtausenden praktiziert werden (vgl. auch "Voodoo auf katholisch", Mahnmal aktuell 4/03). Der Unterschied ist nur, dass bei animistischen Ritualen in der Regel zwar Tiere geopfert werden, aber keine Menschen umkommen. (Mahnmal aktuell, Ausgabe 1/2004)
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Kinder-KZ in Thüringen
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Diakonissen ließen Heimkinder verhungern Kinder mit Läusen, Krätze, Untergewicht, Schlagwunden - das Entsetzen war groß, 1945 in Stadtroda in Thüringen. Hier wurde kein KZ befreit - oder vielleicht doch? Die Kinder waren kurz nach Kriegsende aus dem nahe gelegenen Bad Blankenburg hierher evakuiert worden. Sie stammten aus einem Heim der evangelischen Diakonie, dem Anna-Luisen-Stift. Wirklich aufgeklärt wurde der Skandal aber erst vor kurzem: Bei der Suche nach Unterlagen früherer Heimbewohner stieß eine Mitarbeiterin auf dem Dachboden auf einen ganzen Stapel Quittungen für Särge und Bestattungen. Was hatte es damit auf sich? Nun könnte man meinen, dass die betreffenden Heimkinder vielleicht im Rahmen der Euthanasie-Programme der Nazis zu Tode kamen. Die Kirchen erwiesen sich hier bekanntermaßen in vielen Fällen als willige Vollstrecker. Doch hier liegt der Fall anders. Die mysteriösen Todesfälle begannen nämlich bereits in den 20er Jahren. Zwei Schwestern der Diakonie leiteten das Heim quasi im Alleingang, ekelten weitere Diakonieschwestern, die ihnen als zusätzliche Arbeitskräfte geschickt wurden, regelmäßig hinaus. Die Diakonissen hielten die behinderten, teilweise chronisch kranken Kinder mit Absicht immer dicht am Existenzminimum, ließen sie nach einiger Zeit verhungern, behandelten sie auch sonst grausam und ließen sie in unvorstellbaren Zuständen dahinvegetieren - "wie in einem KZ", erinnert sich eine Anwohnerin. Sogar die NS-Behörden verlangten wegen der Vorfälle die Abberufung der Leiterinnen! Doch die Diakonieleitung, die mit Sicherheit nicht ahnungslos war, beließ die Zustände, wie sie waren - offenbar aus zwei Gründen: Zum einen befürchtete man - in diesem Fall nicht ganz zu Unrecht - dass die Behörden das Heim der Diakonie wegnehmen und unter NS-Aufsicht stellen würden. Zum anderen aber war die "Arbeit" der zwei Diakonissen ein einträgliches Geschäft: Die Schwestern "erwirtschafteten" über all die Jahre einen Gewinn von 100 000 Reichsmark - umgerechnet 600 000 Euro. Nur in Bad Blankenburg behielt man alle Zuschüsse ein, gab sie aber kaum an die Kinder weiter... (Mahnmal aktuell, Ausgabe 2/2003)
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Schwere Vorwürfe gegen das evang. Gemeindeamt
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Kirchen Skandal: Schwere Vorwürfe gegen das Evangelische Gemeindeamt MÜNCHEN: „Er konnte dem Mobbing nicht entfliehen“ - erschütternde Worte in der Todesanzeige einer Zeitung. Werner R. starb an Herzversagen, weil er offenbar die jahrelangen Schikanen im evangelischen Kirchengemeindeamt in München nicht mehr aushielt. In einem anonymen Brief an Dekan Hans Dieter Strack werden einige Freunde des 60-Jährigen noch deutlicher: "Wenn Mobbing Mord ist, dann war das Mord an unserem Kollegen." Werner R. stand unter massivem Druck "Die wollen mich loswerden“, vertraute der schwerkranke Mann, der über 20 Jahre für die Kirche gearbeitet hatte, einer Bekannten kurz vor Weihnachten an: "Er hatte Angst, einen Fehler zu machen und so Vorgesetzten neue Munition gegen ihn zu liefern", sagt sie. Seit Jahren litt Werner R. an Diabetes und Übergewicht. Trotzdem war er neben seinem Job auch im Betriebsrat des Kirchengemeindeamtes aktiv und leitete einen Posaunenchor. Bei seinen Kollegen war der ruhige und freundliche Mann sehr beliebt. Nicht so bei den Chefs des Gemeindeamtes. Ausgerechnet an seinem 60. Geburtstag, dem 12. Dezember, flatterte Werner R. eine Abmahnung ins Haus, die aber nicht zugestellt werden konnte. Das Kirchengemeindeamt ließ nicht locker. Zwei Tage vor Weihnachten kam ein zweites Schreiben. Werner R. wurde "gemobbt und schikaniert", behaupten Kollegen in einem anonymen Brief, der dem Nachrichtenmagazin "Focus" vorliegt. Im Kirchengemeindeamt, Verwaltungszentrale der rund 225 000 Münchner Protestanten, werde die Menschenwürde "mit Füßen getreten". Nach außen wirkte Werner R. robust und kräftig, doch im Inneren war er sehr verletzlich. "Er hat es nicht verhaftet, dass solche Dinge gerade in der Kirche passieren", sagt sein Bruder Herbert R. zur AZ. Vor einer Woche fand man Werner R. in seiner Wohnung. Gestorben an Unterzucker und Organversagen. Seine Kollegen glauben: Werner R. wurde zu Tode gemobbt. Zwei Tage vor der Beerdigung verpasste Dekan Hans Dieter Strack den Mitarbeitern im Kirchengemeindeamt einen Maulkorb. Schriftlich forderte er sie auf, sich "nicht an der Ursachenforschung" über den Tod des Kollegen zu beteiligen und "Spekulationen keine Nahrung" zu geben. Zuletzt war das Kirchengemeindeamt vor zwei Jahren wegen Fehlbuchungen in Höhe von rund elf Millionen Euro (21,66 Millionen Mark) in die Schlagzeilen geraten. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sind noch nicht abgeschlossen. (Focus )
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