2005

Mißbrauch: Immer wieder katholische Priester

Erzdiözese von Miami zahlt Rekordsumme wegen sexuellen mißbrauchs / Frau verklagt bereits suspendierten Priester

Miami. Wie der Anwalt der Frau am Freitag mitteilte, wurde seine Mandantin zwischen 1993 und 1997 im Alter von 13 bis 17 Jahren wiederholt durch den mittlerweile seines Amtes enthobenen Jan Malicki sexuell missbraucht. Die genaue Summe der Entschädigung wollte Anwalt William Snihur nicht nennen, der bisherige Spitzenbetrag lag jedoch bei 500000 Dollar (knapp 420000 Euro). Er wurde an einen Mann gezahlt, der als Minderjähriger in einer Gesundheitseinrichtung in Miami sexuell missbraucht worden war.

Laut Snihur steht eine weitere Einigung mit der Erzdiözese Miami über eine Entschädigungszahlung unmittelbar bevor. Dabei geht es um eine Frau, die Malicki des sexuellen Missbrauchs in den Jahren 1996 und 1997 beschuldigt. Der Priester beteuert seine Unschuld.

Die Diözese Miami hat laut Jahresbericht 2005 seit 1966 mehr als 17 Millionen Dollar an Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester gezahlt, davon allein im vergangenen Jahr fünf Millionen Dollar. Die Schmerzensgeldzahlungen an die Opfer der vielen Missbrauchsfälle haben zahlreiche Diözesen in den USA an die Grenze der Zahlungsfähigkeit gebracht. (afp)

(Saar Echo 2.7.05)


Sex-Vorwürfe gegen 756 Geistliche

WASHINGTON – Die katholische Kirche der USA musste sich im vergangenen Jahr mit 1092 neuen Vorwürfen gegen Priester und Dekane befassen. Diese hätten Minderjährige sexuelle missbraucht.

Die meisten Beschuldigungen beziehen sich auf angebliche Vorfälle in den Jahren 1965 bis 1974. Knapp drei Viertel der beschuldigten Priester sind inzwischen allerdings gestorben, aus dem Amt verstossen oder in nicht-öffentliche Bereiche versetzt worden.

Die Bischofskonferenz in Washington hat 900 der insgesamt 1092 Vorwürfe als glaubwürdig eingestuft. 756 Priester und Dekane sollen 1038 mutmasslichen Opfer missbraucht haben. Die meisten mutmasslichen Opfer waren Jungen im Alter von 10 bis 14 Jahren.

Die Angaben beruhen auf einer Erhebung, die eine Expertengruppe unter anderem mit ehemaligen FBI-Beamten in den 200 katholischen Diözesen der USA durchgeführt hatte. Wie weiter mitgeteilt wurde, zahlte die katholische Kirche 2004 fast 160 Millionen Dollar (189 Mio. Fr.) für Vergleiche, begleitende Therapiemassnahmen und Anwaltskosten.

Blick Online 19.2.05


Kirche in Irland deckte Kindesmissbrauch

Die katholische Kirche in Irland hat einer staatlichen Untersuchung zufolge über Jahrzehnte den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen gedeckt. Der Bischof einer südlich von Dublin gelegenen Diözese habe 20 Jahre lang mit Missbrauchs- und Vergewaltigungsvorwürfen konfrontierte Priester nicht ausgeschlossen, sondern lediglich versetzt, hieß es in einem am Dienstag vorgelegten Bericht.
"Im Namen der Regierung möchte ich das wiederholte Versagen und Pflichtversäumnis der Verantwortlichen in der Diözese Ferns aufs Schärfste verurteilen", sagte der für Kinder und Jugend zuständige irische Minister Lenihan. Es sei klar, dass über viele Jahre nicht ausreichend getan wurde, um die Kinder zu schützen.
Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche in Irland bat die Opfer um Verzeihung: "Der Vertrauensmissbrauch ist entsetzlich. Heute ist die Kirche voller Scham über ihre früheren Versäumnisse bezüglich des Kindesschutzes", erklärte Sean Brady. Kinderschutzorganisationen zeigten sich nach Vorlage des Berichtes unzufrieden. "Es wird niemand namentlich benannt, niemand beschuldigt. Wahrscheinlich wird dafür niemand vor Gericht stehen müssen", sagte ein Vertreter.
Der Bischof der Diözese Ferns im Südosten Irlands habe offensichtlich ungeeignete Männer in der Priesterschaft belassen, obwohl er wusste oder hätte wissen müssen, dass sie eventuell Kinder missbrauchten, hieß es in dem Bericht. Die Untersuchung wurde 2002 begonnen und ging rund 100 Vorwürfen gegen 21 Priester nach. Die Fälle reichten teils bis in die 60er Jahre zurück. Elf Beschuldigte leben noch. Drei wurden aus dem Priesteramt entfernt, sieben traten zeitweise vom Dienst zurück und einer ging in den Ruhestand.
Der Skandal kam ans Licht, als bekannt wurde, dass der Bischof von Ferns von den Vergehen eines Priesters wusste. Dieser hatte sich 1999 umgebracht, nachdem von mehreren Seiten Missbrauchsvorwürfe gegen ihn erhoben wurden. Der Bischof trat 2002 zurück.

(Dublin (APA/ag.))

Kleine Zeitung Online 25.10.05


2 Fälle sexuellen Missbrauchs im Bistum Magdeburg

Magdeburg (AP) Das Bistum Magdeburg hat zwei Fälle sexuellen Missbrauchs bestätigt. Ein Fall liege zwei bis drei Jahre zurück und sei im Kirchengericht noch nicht abschließend geklärt, ein anderer datiere aus den 60er Jahren, sagte Sprecher Thomas Lazar der Nachrichtenagentur AP. Einen Vorabbericht des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel», nach dem die katholische Kirche in einem bisher beispiellosen Fall ein Opfer sexuellen Missbrauchs entschädigt habe, wollte Lazar so nicht bestätigen.
Dem Bericht zufolge überwies das Bistum Magdeburg dem ehemaligen Ministranten Norbert D. 25.000 Euro. D. soll seit seinem neunten Lebensjahr insgesamt neun Jahre lang erst von einem Pfarrer und dann von einem Kirchenangestellten missbraucht worden sein. Er habe seit 1993 versucht, den Fall bei verschiedenen Kirchenstellen anzuzeigen, lange ohne Erfolg. Das Bistum wollte den weiteren Angaben zufolge zunächst nur dann eine Entschädigung zahlen, wenn D. sich verpflichte, über den Missbrauch durch den inzwischen verstorbenen Pfarrer zu schweigen.
Bistum-Sprecher Lazar wollte die Namen nicht bestätigen, auch um die Opfern und ihre Familien zu schützen. In beiden Fällen seien den Opfern Hilfe und Beratung angeboten worden, die auch angenommen worden sei. «Zu finanziellen Dingen äußere ich mich nicht», antwortete Lazar auf die Frage nach der Höhe der Hilfe. «Es liegt uns daran, nichts zu vertuschen, wir wollen die Leute schützen», fügte er hinzu.

Sonntag 4. Dezember 2005, 11:54 Uhr
Artikel URL: http://de.news.yahoo.com/051203/12/4sehk.html


15.000 Iren klagen auf Entschädigung f. Missbrauch

Dublin (AFP) - In Irland sind gut 15.000 Menschen einem Aufruf der Regierung gefolgt, für erlittene Misshandlungen in zumeist kirchlich geführten Kinderheimen Entschädigung zu beantragen. Bis zum Ende der Meldefrist am Donnerstag seien 14.768 Anträge bei dem eigens eingerichteten Entschädigungsausschuss für Heimbewohner (RIRB) eingegangen, teilte das Gremium auf seiner Website mit. Die Summe der Entschädigungen, für die der Staat aufkommen muss, könne bei über einer Milliarde Euro liegen.In einem umstrittenen Abkommen zwischen irischem Staat und katholischer Kirche wurden die von der Kirche zu leistenden Entschädigungen auf maximal 128 Millionen Euro festgesetzt. Was darüber hinaus geht, muss aus Steuergeldern bezahlt werden.Die Antragsteller machen geltend, sie seien als Kinder in staatlich gegründeten, zumeist unter Leitung der katholischen Kirche stehenden Einrichtungen misshandelt worden. Dabei handelte es sich um sexuellen Missbrauch und andere körperliche Misshandlungen sowie um seelische Qualen. Die Taten reichen zurück bis in die 30er Jahre.Parallel zum Entschädigungsprogramm der Regierung ermittelt die Justiz in dem weit reichenden Missbrauchsskandal, der in dem tief katholischen Land große Bestürzung ausgelöst hatte. Nach Darstellung von Klägern kam es in Kinder- und Waisenheimen, Internaten und Kinderkrankenhäusern in der Obhut der Kirche in früheren Jahrzehnten zu häufigen Übergriffen durch Geistliche und andere Angestellte der Kirche.
Samstag 17.12.05
http://de.news.yahoo.com/17122005/286/15-000-iren-klagen-entschaedigung-missbrauch.html


Missbrauch - Leser sprechen von weiteren Opfern

Delitzsch. Der Fall Norbert Denef - seit gestern deutet sich an, dass der 56-jährige Ex-Delitzscher - ein Bruder des hiesigen Bürgermeisters Gerd Denef und des ehemaligen Bergbaudezernenten Klaus Denef - nicht das einzige Opfer des 1998 verstorbenen früheren Vikars der katholischen Mariengemeinde Alfons Kamphusmann war.
Auf unsere gestrigen Beiträge "Sex-Vorwürfe sorgen für Aufregung" und "Familie Denef ist erschüttert" hin meldeten sich anonym gleich mehrere Leser mit der traurigen Botschaft, dass ihnen weitere Fälle von sexuellem Missbrauch durch den Geistlichen zwischen 1958 und 1964 bekannt sind. Norbert Denef selbst bekräftigte gestern auf Anfrage der Kreiszeitung: "Von Kamphusmann wusste damals jeder in Delitzsch, dass er eine Schwäche für Jungen hatte."
Wie berichtet, ist der heute im Hessischen lebende Norbert Denef, einst Ministrant in der Pfarrei an der Lindenstraße, vor kurzem vom Bistum Magdeburg mit 25 000 Euro bedacht wurde. Laut Nachrichtenmagazin Spiegel ist er damit das erste Opfer eines pädophilen Seelsorgers in Deutschland, das entschädigt wird. Von Entschädigung könne indes keine Rede sein, erklärte Bistumssprecher Thomas Lazar. Die offizielle Sprachregelung aus Magdeburg: "Ohne rechtlich dazu verpflichtet zu sein, hat das Bistum gemäß den Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz eine Beihilfe zur Durchführung einer weiteren Therapie angeboten und überwiesen." Die Summe bestätigte Lazar erneut nicht.
Therapie ist für Norbert Denef nach Jahrzehnten des Schweigens geradezu überlebenswichtig geworden. Im November 1993 habe er seine vier Geschwister in der Wohnung einer Schwester in Frankfurt am Main mit seiner Geschichte erstmals konfrontiert. Bei dem Treffen mit dabei: Kamphusmann, vormals Freund der Familie Denef und zu diesem Zeitpunkt im Bistum Limburg tätig, und ein zweiter Täter, der in Delitzsch einst als Organist und Chorleiter arbeitete und Norbert Denef ab 1964 missbrauchte. "Die Empörung bei meinen Geschwistern war groß. Sie wollten es einfach nicht wahrhaben", schilderte Norbert Denef. "Nur zu einer Schwester, die mittlerweile verstorben ist, hatte ich danach noch Kontakt." Zu den Gründen für sein langes Zögern, dass Thema öffentlich zu machen, sagte Norbert Denef: "Die Opfer schweigen, weil sie unbewusst ahnen, dass ihnen niemand glaubt. Ich selbst musste mich ein Jahr lang vor den Spiegel stellen und mir immer wieder sagen: ,Ich bin sexuell missbraucht worden.'" Ihm gehe es nicht ums Geld, sondern um die "aufrichtige Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels kirchlichen Lebens im Lichte der Öffentlichkeit"."Kamphusmann war mit vielen Familien eng befreundet", äußerte sich Gerd Denef gestern noch einmal zu den Vorwürfen, die sein Bruder gegen seine Peiniger und die Familie erhob. "Wir haben damals von solchen Problemen bei ihm nichts mitbekommen und erlebten alle eine glückliche Kindheit." Dass nunmehr, nach fast 50 Jahren, all das hochkommt, dazu äußerten sich die Denef-Brüder Gerd und Klaus "tief betroffen". Die Vorwürfe des Bruders, gegen die Familie und die Mutter, die fünf Kinder allein aufzog, "treffen uns schwer". Dass es Anfang der 90er Jahren bei dem Familientreffen in Frankfurt/Main um den sexuellen Missbrauch gegangen sein soll, können die Delitzscher Brüder nicht bestätigen. "Wie kann es nur sein, dass er dann später, vor über 20 Jahren, noch auf seinen ausdrücklichen Wunsch von dem Vikar, der ihn gepeinigt haben soll, getraut werden wollte?", fragen sich die Denefs.
Dominic Welters

© Leipziger Volkszeitung vom Dienstag, 6. Dezember 2005


Hinweise auf neuen Porno-Skandal in St. Pölten

18. Jun 2005 14:50
Ein Jahr nach dem Kinderporno-Skandal am österreichischen Priesterseminar St. Pölten steht die Hochschule wieder in der Kritik. Ein Student soll Websites mit pornografischem Inhalt angeklickt haben.
Theologiestudenten im Priesterseminar der österreichischen Diözese St. Pölten haben ein Jahr nach dem Skandal des Hauses um Kinderpornos wieder Internetseiten mit pornografischen Inhalten aufgerufen.
Der Bischof der Diözese, Klaus Küng, bestätigte einen entsprechenden Bericht des Wiener Nachrichtenmagazins «Profil». Das Priesterseminar von St. Pölten war im vergangenen Jahr in die Schlagzeilen geraten, weil dort einige der Studenten Tausende von Kinderpornofotos aus dem Internet auf den Seminar-PC heruntergeladen hatten.
Umstrittene Partys
Außerdem gab es dort regelmäßig Partys, bei denen junge Männer unsittlich berührt wurden. Die Seminarleiter waren dabei. Sie wurden inzwischen ebenso abgelöst, wie der damals zuständige Bischof, Kurt Krenn. Einer der Seminaristen wurden im Zusammenhang mit dem Herunterladen von Kinderpornografie zu einer Freiheitsstrafe mit Bewährung verurteilt.
Der neue Bischof von St. Pölten sagte dem Magazin «Profil», bei dem jetzt entdeckten Fall sei nur ein einziges Mal auf Pornoseiten zugegriffen worden. Der Vorgang wurde bei einer Überprüfungen in der EDV-Zentrale der Diözese entdeckt. Jetzt sollen sogar biometrische Zugangskontrollen für den PC eingeführt werden, um leichter ermitteln zu können, wer welche Seiten anklickt. (nz)
URL dieses Artikels: http://www.netzeitung.de/ausland/344424.html


Sex im Priesterseminar mit Fotos belegt

16. Sep 2005 12:02
Ein Wiener Gericht hat die Klage der früheren Leiter des St. Pöltener Priesterseminars gegen das Nachrichtenmagazin «profil» zurückgewiesen. Der Bericht über homosexuelle Beziehungen sei zutreffend.
Im Zusammenhang mit dem Sex-Skandal im Priesterseminar in St. Pölten bei Wien ist dem Nachrichtenmagazin «Profil» vor Gericht ein Wahrheitsbeweis gelungen. Das österreichische Magazin hatte über homosexuelle Kontakte der damaligen Leiter des Seminars, Regens Ulrich Küchl und Subregens Wolfgang Rothe, berichtet. Die Geistlichen verklagten das Magazin daraufhin wegen übler Nachrede und öffentlicher Bloßstellung.
Das Wiener Straflandesgericht wies die Klage und damit verbundene Entschädigungsforderungen nun zurück. Nach Ansicht von Richterin Natalia Frohner konnte das Magazin unter anderem aufgrund intimer Fotos einen Wahrheitsbeweis erbringen. Das Gericht kam in dem medienrechtlichen Prozess zu dem Schluss, dass es homosexuelle Beziehungen gegeben habe.
«Profil» hatte seinen Bericht mit Fotos illustriert, die eine Kuss-Szene zwischen Rothe und einem Seminaristen sowie Küchle bei einer innigen Umarmung mit einem polnischen Seminarschüler.
Das Priesterseminar St. Pölten war in die Schlagzeilen geraten, nachdem auf den Computern angehender Priester 40.000 pornografische Fotos und Videos gefunden worden waren.
Nach Bekanntwerden der Vorgänge waren die Seminarleiter Küchl und Rothe zurückgetreten und das Seminar geschlossen worden. Im Herbst soll es wieder öffnen. Wegen des Skandals in St. Pölten waren mehrere zehntausend Österreicher aus der katholischen Kirche ausgetreten. (nz)
URL dieses Artikels: http://www.netzeitung.de/medien/358136.html


Kinderporno-Konsument Pfarrer derzeit außer Dienst

Pfarrer derzeit außer Dienst

Erzdiözese wartet nach Aufdeckung einer Kinderporno-Affäre das Strafverfahren ab.

SALZBURG (SN, APA). Jener Pfarrer aus dem Pinzgau, der als Kinderporno-Konsument verdächtigt wird, verzichtet von sich aus bis auf weiteres auf den Dienst in der Pfarre. Das sagte der Generalvikar der Erzdiözese, Johann Reißmeier. Die Kirche wird zunächst keine weiteren Schritte setzen. „Wir warten den Ausgang des Strafverfahrens ab“, sagte Reißmeier.

Er sei erst am Donnerstag von einer Klausur aus einem Kloster zurückgekommen und habe sich noch am Abend mit dem Geistlichen getroffen, sagte der Generalvikar. Der Pfarrer habe auch ihm gegenüber zugegeben, Kinderpornos aus dem Internet heruntergeladen zu haben. Er habe aber keine Kinderpornos hergestellt und auch nicht weitergegeben.

Was mit dem Priester geschieht, könne er noch nicht sagen. „Ich muss schauen, dass er eine Begleitung bekommt, denn dem Geistlichen geht es derzeit nicht gut. "Staatsanwältin Barbara Feichtinger kündigte an, noch am Freitag gegen den Pfarrer Strafantrag zu stellen. Der Strafrahmen im Falle einer Verurteilung beträgt bis zu zwei Jahren.

(Salzburger Nachrichten 24. Juni 2005)


Niederösterreich - Pfarrer unter Verdacht

Die kirchlichen Schleier der Barmherzigkeit, mit denen sexueller Missbrauch in der niederösterreichischen Gemeinde Bromberg jahrelang zugedeckt war, sind seit letzter Woche gelichtet worden. Es lässt sich nicht länger verheimlichen, dass der Kaplan von Bromberg und sein Ministrantenführer im Verdacht stehen, sich an mehreren Ministranten im Ort vergangen zu haben. Der Pfarrer selbst schenkte seiner Gemeinde bei der gestrigen Sonntagsmesse reinen Wein ein. Michael Hammer, Pfarrer von Bromberg Die heile Welt scheint für Pfarrer Michael Hammer, der die 1200 Seelen Gemeinde Bromberg seit 30 Jahren betreut, zerstört. An die 30 Buben sollen Opfer des ehemaligen Kaplans und seines Ministrantenführers geworden sein. Die missbrauchten Kinder waren Ministranten oder bei der Jungschar. Obwohl schon länger Gerüchte kursiert sein sollen, zeigt sich Pfarrer Hammer nun schockiert. Michael Hammer, Pfarrer von Bromberg Der heute 28jährige Ministrantenführer soll seine sexuellen Fantasien an 20 Kindern ausgelebt haben. Bei der Einvernahme hat er ein Geständnis abgelegt, und dabei betont selbst Opfer des ehemaligen Kaplans von Bromberg gewesen zu sein. Bei diesem Kaplan handelt es sich um den 46jährigen Severin W., der von 1989 bis 1995 in Bromberg tätig war. Der Ordensmann soll auch seine Autorität als Religionslehrer ausgenützt haben. Michael Hammer, Pfarrer von Bromberg Ins Rollen kam der Kirchenskandal durch die Anzeige eines mittlerweile volljährigen Buben. Der zweite Fall wurde von der Mutter eines jetzt 16jährigen angezeigt. Thema sprach mit den Eltern der beiden Kinder. Man bat uns, sie nur zu zitieren. Besonders dramatisch ist die Geschichte jenes 18jährigen, der auf Anraten seiner Therapeutin die Anzeige erstattet hat. Seine Zuckerkrankheit und ein Kopftumor sollen ursächlich mit den sexuellen Übergriffen zusammenhängen. Erst jetzt stellte sich heraus, dass der Leiter der Ombudsstelle für sexuellen Missbrauch in der Kirche, Monsignore Helmut Schüller, bereits im September 1997 über Zwischenfälle mit dem Kaplan aus Bromber informiert worden war. Die Erzdiözese wusste schon damals, dass Severin W., im Unterricht Pornobilder und Videos zeigte. Die Konsequenz war die Versetzung in eine andere Gemeinde. Angezeigt wurde er nicht. Msgr. Helmut Schüller, Ombudsmann sex. Missbrauch Aus heutiger Sicht handelt es sich um den größten Fall sexueller Übergriffe in der Kirche seit der Affäre Groer. 1996 und 1997 war der Kaplan von seinen Ordensoberen, den Reichersberger Chorherren, in die niederösterreichische Gemeinde Pitten versetzt worden. Die Ordensleitung von Reichersberg war zu keiner Stellungnahme bereit. Warum die pädophilen Neigungen des Beschuldigten so lange unentdeckt blieben, werden bestenfalls die laufenden Ermittlungen klären. Msgr. Helmut Schüller, Ombudsmann sex. Missbrauch In der Pfarrgemeinde Bromberg versucht man auch dieses Wochenende den Ministrantenbetrieb wie gewohnt fortzuführen. Manche Eltern schicken ihre Kinder nicht mehr in die Ministrantenstunde. Thema wurde berichtet, dass ein "gewisser Personenkreis" schon länger über die Geschehnisse im Ort bescheid gewusst habe. Der Vater eines Opfers sagte uns: "Jeder der heute behauptet, er hätte nichts gewusst, der lügt!" Michael Hammer, Pfarrer von Bromberg An der Kirchentüre von Bromberg hängt seit diesem Wochenende eine Information der Ombudsstelle für sexuellen Missbrauch. Der Pfarrgemeinderat hat außerdem eine Selbsthilfegruppe für die Eltern der Opfer eingerichtet. In der Gemeinde selbst schwankt die Stimmung zwischen Misstrauen und Angst. Auch bei der Abendmesse in Bromberg findet Pfarrer Hammer nur schwer passende Worte für die Geschehnisse in seiner Gemeinde.
(Franz Weninger, Volksschuldirektor)


120 Millionen Dollar Schmerzensgeld für Missbrauch

Im Skandal um Kinderschändungen durch Priester im US-Bundesstaat Kentucky hat sich die katholische Kirche mit Opfervertretern auf die Zahlung von Schmerzensgeld in Höhe von 120 Millionen Dollar geeinigt.

Mit dem aussergerichtlichen Vergleich werde eine Sammelklage gegen die Diözese Covington fallengelassen, teilten Vertreter beider Seiten mit. Die Opfer sollten je nach Schwere des erlittenen Missbrauchs zwischen 5000 und 450'000 Dollar erhalten. Das Gericht muss der Einigung noch zustimmen.
Bischof Roger Foys richtete eine «aufrichtige Entschuldigung» an die Opfer. «Nachdem ich mehr als 70 Opfer persönlich getroffen habe, ist mir schmerzhaft bewusst, dass keine Geldsumme das Leid kompensieren kann, das diese Opfer als unschuldige Kinder erlitten haben.»

Geld aus Verkauf von Kircheneigentum und Versicherungen

Das Geld für die Zahlungen soll aus dem Verkauf von Kircheneigentum und aus Versicherungen zusammenkommen. Eine Untersuchung hatte ergeben, dass Kindsmissbrauch durch Prister der Diözese in den vergangenen 50 Jahren weit verbreitet war, insbesondere in den 50er und 60er Jahren. Wahrscheinlich hätten 30 von 372 Priestern Kinder missbraucht.

Die Summe des Vergleichs in Kentucky ist die bislang grösste in derartigen Fällen in den USA. Die katholische Kirche von Orange County in Los Angeles hatte 100 Millionen Dollar für Missbrauchsopfer bereitgestellt, in Boston waren es 85 Millionen Dollar. (cpm/sda)

04.06.2005 - Tages-Anzeiger Online


Zwölf Jahre Haft für Priester wegen Missbrauch

Evreux (AFP) - In Frankreich ist ein katholischer Priester wegen der Vergewaltigung von Minderjährigen zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Der 65-jährige Kanadier Denis Vadeboncoeur wurde am Mittwoch von einem Strafgericht im nordfranzösischen Evreux für schuldig befunden, in der Gemeinde Lieurey von 1989 bis 1992 einen Jungen, der damals zwischen 14 und 17 Jahre alt war, sexuell missbraucht zu haben. Der Fall erregt in Frankreich großes Aufsehen und hat die katholische Kirche insgesamt in die Kritik gebracht. Denn Vadeboncoeur war bereits 1985 in der kanadischen Provinz Québec zu 20 Monaten Haft wegen sexuellen Übergriffen gegen Minderjährige verurteilt worden. Obwohl der Bischof von Evreux davon gewusst hatte, hatte er ihn 1988 mit der Leitung der Gemeinde in der Normandie betraut.
Artikel URL: http://de.news.yahoo.com/050921/286/4p570.html


Bistum veröffentlicht Akten pädophiler Priester

Das Erzbistum Los Angeles will mit seiner dunklen Vergangenheit aufräumen und hat bislang geheime Dokumente veröffentlicht. Die Akten belegen: Jahrzehntelang hat die katholische Kirche Vorwürfe zu sexuellem Missbrauch durch Priester ignoriert. Die Opferzahlen gehen in die Hunderte.
Washington - Die katholische Kirche hat den Unterlagen zufolge Priester auch dann noch geschützt, als bereits massive Vorwürfe wegen Kindesmissbrauchs erhoben worden waren. Diesen Geistlichen sei bis in die achtziger Jahre auch nach Bekanntwerden der Anschuldigungen der Umgang mit Kindern und Kindergruppen in den Gemeinden erlaubt worden, berichteten verschiedene amerikanische Zeitungen. Die Akten belegen Hunderte von sexuellen Übergriffen auf Kinder in der Kirche seit den sechziger Jahren. Die Dokumente wurden gemäß einer Vereinbarung zwischen der Kirche und den Anwälten von rund 500 missbrauchten Kindern veröffentlicht.

Der Erzbischof von Los Angeles, Kardinal Roger Mahoney, betonte der "Los Angeles Times" zufolge, dass es seit langem eine Politik der "Null-Toleranz" für Priester gebe, die Kinder missbrauchten. Solche Geistlichen müssten ihr Amt aufgeben, gleichgültig wie lange die Vorfälle her seien. Die Erzdiözese in Los Angeles ist die größte katholische Diözese in den USA mit über fünf Millionen Mitgliedern.

Den Akten zufolge werden noch 126 Priester in der Diözese des Kindesmissbrauchs beschuldigt - in vielen anderen Fällen habe es schon Vergleiche oder Verurteilungen gegeben. In der Regel wird in den Kirchenpapieren kaum von Missbrauch, sondern vielmehr von "moralischen Verfehlungen" und "Grenzverletzungen" gesprochen. Jeder einzelne Täter ist dort genau festgehalten - in einer Art Lebenslauf mit Daten und Vorfällen.

In den Unterlagen finden sich auch besonders krasse Fälle, so über den Priester Richard Henry, der jedes Wochenende einen Jungen bei sich übernachten ließ. Obwohl Nonnen die Kirchenleitung über sein befremdliches Verhalten zu Jungen informiert hatten, musste der Priester lediglich eine Therapie beginnen und durfte über Jahre sein Amt behalten. Erst polizeiliche Ermittlungen und eine dreijährige Haftstrafe führten schließlich zur Entlassung des Mannes aus seinem Kirchenamt.

In manchen Fällen seien Geistliche nach Bekanntwerden von Vorwürfen lediglich mit neuen Aufgaben betraut worden, so die Zeitung. In anderen Fällen habe die Kirche Eltern der Missbrauchsopfer gedrängt, die Taten zu verschweigen.
Spiegel Online 12.10.05


«Moralisch widerwärtig»

Tessiner Priester zu bedingter Haft verurteilt

Der Ex-Priester von Gordola ist wegen sexueller Handlungen mit Kindern zu sechs Monaten Haft bedingt verurteilt worden. Die Polizei wurde vom Gericht wegen ihrer Ermittlungsmethode hart kritisiert.
Am Ende des einwöchigen Prozesses gegen den ehemaligen Priester von Gordola gab es nur Verlierer. Gerichtspräsidentin Giovanna Roggero-Will verurteilte den Geistlichen gestern wegen sexueller Handlungen mit einem 14-jährigen Mädchen zu sechs Monaten Haft bedingt, doch zerzauste sie in ihrem Urteilsspruch auch die Anklageschrift, die Argumente der Verteidigung und die polizeilichen Ermittlungsmethoden.

Obszöne SMS. Die strensten Worte fand die Gerichtspräsidentin für den 63-jährigen Priester, dessen Verhalten sie als «moralisch widerwärtig» bezeichnete, auch wenn sie diesem strafrechtlich nicht voll Rechnung tragen könnte. Der katholische Geistliche hatte Duzende obszöner SMS mit einem 17-jährigen und dessen 14-jähriger Schwester ausgetauscht. Nur weil er teilweise von den Jugendlichen provoziert worden sei, könne sie keine härtere Strafe verhängen, sagte die Gerichtspräsidentin. Andernfalls wäre sie sogar über die vom Staatsanwalt geforderten zwölf Monate Gefängnis bedingt hinausgegangen.

Fahrlässig. Obwohl die Ermittler über den Austausch der SMS bestens im Bild waren, liessen sie das Treiben Wochen gewähren und stellten dem Priester eine Falle. Als er bei dienem Besuch in der Wohnung des Mädchen versuchte, sich ihm zu nähern, wurde er von einer im Schrank verstecken Kommissarin auf der Stelle verhaftet. Diese Methode sei absolut unnötig gewesen und entspreche nicht im Geringsten den heutigen Normen für Under-Cover-Agenten, rügte die Gerichtspräsidentin in ihrem Urteilsspruch: Man könne ein Kind im Schutzalter nicht zu einer versteckten Operation missbrauchen.
Der Verteidiger hatte vergeblich versucht, die Verantwortung für den pornografischen SMS-Wechsel den beiden Teenagern zuzuschieben, und nur einige Tage Haft beantragt.

BaslerZeitung Oktober 2005


Verhängnisvolle "mentale Schwäche"

Staatsanwalt wirft angeklagtem Priester von Gordola Sex mit 14-jähriger vor

Der ehemalige Priester von Gordola (TI/CH) hat gestern vor dem Strafgericht Locarno den Vorwurf sexueller Handlungen mit Minderjährigen von sich gewiesen.
Der 63-jährige Geistliche räumte vor Gericht ein, etliche Botschaften erotischen Inahlts übermittelt zu haben. Vor seiner Festnahme im Januar 2004 hatte er mit Telefonaten und Duzenden von SMS einem damals 14-jährigen Mädchen und seinem 17-jährigen Bruder nachgestellt. Es handelte sich im extrem vulgäre SMS und Telefonate voller Anzüglichkeiten.
Erst auf Drängen der Gerichtspräsidentin und unter der Beweislast abgehörter Telefonate räumte der Priester gestern Nachmittag ein, unterbewusst vielleicht doch einen sexuellen Kontakt gesucht zu haben. Er gab zu Protokoll, dass er seit seinem 11. Lebensjahr eine "mentale Schwäche" für weibliche und männliche Hinterteile habe. zu sexuellem Kontakt sei es aber nie gekommen, obwohl er sich immer gewünscht habe, einmal mit einer Frau zu schlafen.

Priester im Tanga. Staatsanwalt Nicola Respini wirft dem Priester sexuelle Akte mit der 14-jährigen vor, der er auch Fotos geschickt haben soll, die ihn im Tanga zeigen. Als Zeugin tritt am heutigen Prozesstag eine Polizistin auf, die sich im Januar 2004 im Zimmer des Mädchens versteckt hatte. Als der Priester dem Mädchen nahe gekommen war, hatte die Polizistin ihn auf der Stelle verhaftet. Unklar blieb, was damals genau geschehen war. Das Mädchen behauptet, der Priester habe sie auf den Mund küssen wollen. Der Geistliche sagte, er habe das Mädchen auf die Stirn geküsst und aus Spass aufs Bett geworfen.
Das Urteil wird voraussichtlich am Freitag gefällt.

BaslerZeitung 20.10.05


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