Kriminalgeschichte des Christentums Band 7

KurzbeschreibungDeschner: "Kriminalgeschichte des Christentums"
Band 7 - Freude über den "Holocaust" des Mittelalters
„Zu Avignon“, ruft die hl. Brigitte von Schweden, „sind die zehn Gebote zu einem einzigen geworden: ‚Es lautet: Bring dein Geld her!
Es sind solche Textstellen, auf die man beim Lesen des neuen, 7. Bandes der „Kriminalgeschichte des Christentums“ von Karlheinz Deschner schon deshalb angewiesen ist, weil die Kirchengeschichte des 13. und 14. Jahrhunderts ohne derlei schwarzen Humor kaum zu ertragen wäre. Die schwedische Mystikerin spricht hier über den in Avignon residierenden Papst Johannes XXII. (Reg.-zt. 13 16-1334), über dessen Wahl Deschner anmerkt: „Zur Erwählung eines solchen Finanzgenies ließ sich denn auch der Heilige Geist länger als zwei Jahre Zeit.“ Johannes, der ständig Geld für seinen Dauer-Krieg gegen den deutschen Kaiser Ludwig IV. (den Bayern) benötigte, der dafür bis zu drei Viertel seiner nicht unbeträchtlichen Jahreseinnahmen verwendete, führte unter anderem eine genaue „Tarifliste“ für „Ausgleichszahlungen“ von Priestern an den Heiligen Stuhl ein: „von fünf Groschen für Mord und Blutschande ... bis zu 33 Groschen für eine Qrdination vor dem kanonischen Alter.“ Wer nicht rechtzeitig zahlte, wurde einfach exkommuniziert — auch Bischöfe. Sein Beichtvater, so ist überliefert, konnte „niemals die Gemächer seines Hein betreten . . .‚ ohne die Seelsorger beim Zählen des Geldes zu treffen.“
Der französische König Philipp der Schöne hatte es sich mit der Geldbeschaffung noch einfacher gemacht. Mit Zustimmung des ebenfalls französischen Papstes Nikolaus V. erfand er einfach Gräuelgeschichten über den reichen Templerorden, ließ diesen auflösen und die Templer durch die Inquisition hinrichten. Den gesamten Besitz des Ordens verleibte er sich ein.
Es füllt selbst einem Deschner bisweilen schwer, den üblen Stoff der Kirchen- Geschichte aufzulockern: Inquisition, Judenmorde, Kreuzzüge — und immer wieder Kriege, Bürgerkriege, die der Papst in Rom (und zeitweilig anderswo residierend) regelmäßig schürt, oft auch selber anzettelt, dadurch ganze Länder
- vor allem Deutschland und Italien — über Jahrzehnte hinweg in Not und Verwüstung stürzt, schließlich auch in die „kaiserlose Zeit“ des Interregnums. Jahrzehnte lang führen mehrere Päpste hintereinander einen erbitterten Vernichtungskrieg gegen die Dynastie der Staufer — um die Macht in Italien zu behalten und ihren eigenen Staat, den zusammengeraubten Kirchenstaat, vor der Umklammerung durch Sizilien und Deutschland zu bewahren. Die Päpste unterstützen die Welfen (Guelfen) gegen die Waiblinger (Ghibellinen) — doch als der Welfe Otto IV. zu stark wird, unterstützen sie wieder die Staufer, erklären sich zum Vormund des jungen Friedrich (II.), der seine Karriere als „Pfaffenkaiser“ beginnt — doch wiederum, als er zu stark wird, vom Papst bekämpft, exkommumziert, mit Krieg und Mordanschlägen überzogen wird. Die Päpste holen die Franzosen aus dem Herrscherhaus Anjou nach Süditalien — doch als diese wieder zu stark werden, unterstützen sie die Habsburger, die den Aufstieg ihres Herrscherhauses mit unterwürfigen Ergebenheitsadressen an den Papst beginnen. Als der Wittelsbacher Ludwig IV. nach Italien zieht, zieht Papst Johannes den Luxemburger Karl IV. aus dem Ärmel. Das alles mag aus dem Geschichtsunterricht vielleicht noch in Erinnerung sein — doch Deschners Verdienst ist es einmal mehr, die unheilvolle Rolle nicht nur des Papsttums, sondern auch der Bischöfe herauszuarbeiten — und auch die Rolle der sich „christlich“ nennenden Fürsten. Die deutschen Bischöfe z.B. schließen sich grundsätzlich den meistbietenden Fürsten an, erpressen diese bei Königswahlen bis aufs Hemd und werden dadurch unermesslich reich. Und sie beteiligen sich an sämtlichen verheerenden Bürgerkriegen mit eigenen Truppen. Auch in Italien gehen die Scharmützel der Guelfen und Ghibellinen noch lange weiter, auch wenn der Grund des Konfliktes schon längst vergessen ist
Deschner lässt den Leser auch hinter die Kulissen blicken — wir erfahren, dass der hochtrabende Bonifaz VIII., der es für "jede menschliche Kreatur" als „heilsnotwendig“ erachtete, „dem römischen Papst unterworfen zu sein“, selbst nicht einmal an eine andere Welt als die sichtbare glaubte und Religion als reines „Menschenwerk“ betrachtete.
„Frömmer“ im Sinne der Kirche war da wohl Papst Gregor IX., der den berüchtigten deutschen Inquisitor Konrad von Marburg mit dem Alten Testament zum Verbrennen der „Ketzer“ anfeuert: „Wo ist der Eifer eines Moses, der an einem Tag 23 000 Götzendiener vernichtete? Wo ist der Eifer eines Phinees, der den Juden und die Madianiterin mit einem Stoße durchbohrte?“ „Fromm“ im katholischen Sinne auch der von Gregor ernannte Dominikaner-Inquisitor Robert, der allein an einem Tag, dem 29. Mai 1239, in der Champagne 183 Menschen verbrennen lässt — und dem Papst freudig meldet, es sei „ein großes und dem Herrn wohlgefälliges Brandopfer“ (wörtlich: „holocaustum"!) gewesen.
Große Freude herrschte auch jedes Mal unter den katholischen Ordensrittern, wenn sie einmal mehr im Kreuzzug gegen Slawen oder Balten obsiegt haften:
„Nachdem aber alle Männer entlassen waren, gab es ein großes Frohlocken da sie Vergeltung an den Bösewichtern geübt...“
Kreuzzüge gegen Sarazenen, Byzantiner, Stedinger Bauern, osteuropäische Heiden, deutsche Kaiser (die natürlich selber auch alles andere als sanftmütig waren), gegen Albigenser nicht zuletzt ... In Band sieben kann vieles nur gestreift werden. Besonders eindrücklich ist aber das Kapitel über die Inquisition, wo bis in Einzelheiten hinein beschrieben wird, wie z.B. auch noch Kindern und Enkeln eines gefolterten und hingerichteten „Ketzers“ alles genommen wurde, denn Papst Innozenz III. bestimmte: „Nichts soll ihnen bleiben, als das nackte Leben, das ihnen aus Barmherzigkeit gelassen wird; sie sollen sich in dieser Welt in einer solchen Lage befinden, dass ihnen das Leben zur Pein und der Tod zum Troste wird.“
Und das alles im Namen Gottes. Letztlich geht es der Kirche, das spricht aus jeder Zeile dieses Buches, um Macht und Geld — bis heute. Wer nicht will, dass es auch in Zukunft so weiter geht, für den ist die „Kriminalgeschichte des Christentums“ schon längst „Pflichtlektüre“ geworden. Und er hat auch sicherlich schon die Aufforderung des Autors der Geheimen Offenbarung befolgt: „Tretet aus von ihr, mein Volk, dass ihr nicht teilhabt an ihren Sünden von ihren Plagen nichts mitbekommt“ (Offb.18,4).




Druckbare Version