Porno-Verdacht

Wegen Verdachts auf Verbreitung von Kinderpornos haben Polizisten die Geschäftsräume des Bundes der katholischen Jugend (BDKJ) in Magdeburg durchsucht. Nach Hinweisen aus Süddeutschland wird ein Mitarbeiter des BDKJ verdächtigt, Kinderpornografie aus dem Internet heruntergeladen zu haben.
(MP v. 17.12.1999)

Priester gesteht sexuelle Belästigung

Wien (AP): Ein wegen des Besitzes von Kinderpornos angeklagter österreichischer Priester hat gestanden, zwölf Jungen sexuell belästigt zu haben, Der oberösterreichische Geistliche soll in einem Gymnasium in Dachsberg (Bezirk Eferding), wo er als Religionslehrer und Internatsleiter gearbeitet hat, im vergangenen Jahr die Schüler im Alter von zehn bis zwölf Jahren unsittlich berührt haben, wie die Nachrichtenagentur APA meldete, Die Polizei vermutet, dass der Pater weitere Übergriffe auf die ihm anvertrauten Kinder begangen haben könnte.
(Aus Main-Echo v. 10.08.1999)

Deutscher Priester in Brasilien Kinder verkauft

Rio de Janeiro (dpa): Ein deutscher Priester soll in Brasilien Kinder missbraucht und verkauft haben. Die Staatsanwaltschaft der östlichen Provinzhauptstadt Salvador beantragte nach Medienberichten die Wiederaufnahme des vor zwei Jahren wegen Abwesenheit des 76 Jahre alten Angeklagten unterbrochenen Verfahrens. Dem Deutschen droht eine 14jährige Haftstrafe. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt den Mann - nach brasilianischen Medienangaben ein früherer Nazi-Offizier - jahrelang seine Stellung als Leiter eines Waisenheims in Salvador ausgenutzt zu haben. Als Chef einer Mafia-Bande soll er Kinder sexuell missbraucht, geschlagen und ins Ausland verkauft haben. Er lebt seit Anfang der sechziger Jahre in Brasilien. Seit drei Jahren hält er sich zur ärztlichen Behandlung in Deutschland auf.
(Aus SZ v. 26.08.1999)

Kinderpornografie

Ein katholischer Geistlicher ist in Österreich unter dem Verdacht, einem Kinderpornografie-Ring anzugehören, verhaftet worden. Der Religionslehrer sei auf frischer Tat ertappt worden, als er gerade in einschlägigen Bereichen des Internets surfte.
(Main-Post v. 09.08.1999)

Papst verurteilt Pädophilie von Priestern

Vatikanstadt, 27. Juni (KNA): Papst Johannes Paul II. hat sexuellen Missbrauch von Jugendlichen durch Geistliche und Ordensleute verurteilt. Vor irischen Bischöfen rief er am Samstag im Vatikan zur Solidarität mit den Opfern auf und empfahl Gott die Opfer dieses "schrecklichen Skandals". In den vergangenen Monaten waren in Irland verschiedene Fälle publik geworden, bei denen Geistliche Schutzbefohlene Minderjährige missbraucht hatte. Zugleich rief Johannes Paul II. zum Gebet für diejenigen auf, die schuldig geworden seien, damit sie ihre Tat bereuen und um Vergebung bäten.
(Aus FAZ v. 28.06.1999)

Evangelischer Pfarrer suspendiert

Verdacht auf sexuelle Beziehung zu einer 15jährigen
München/Simbach am Inn.: Wegen des Verdachts der sexuellen Beziehung zu einer 15jährigen Jugendlichen ist ein bayerischer Pfarrer vom Dienst suspendiert worden. Die Suspendierung des Pfarrers der Kirchengemeinde Simbach am Inn (Dekanatsbezirk Passau), Thomas Bayer (44), sei bereits am 24. April erfolgt, erklärte der Leiter des Landeskirchenamtes, Oberkirchenrat Gerhard Tröger, jetzt in München. Das Bayer angelastete Fehlverhalten sei "absolut unvereinbar mit der Verantwortung und Vertrauensposition im Pfarrdienst", so Tröger.
Die Kriminalpolizei Passau bestätigte gegenüber epd, dass die Mutter den Pfarrer bereits Anfang April angezeigt habe. Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen, da immer mehr Zeugen gehört werden müssten. Der zuständige Kreisdekan des Kirchenkreises Regensburg hat Tröger zufolge Anfang April durch einen Brief der Mutter des Mädchens von den Anschuldigungen gegen Bayer Kenntnis bekommen. Nach einer Anhörung des Theologen im Landeskirchenamt sei unverzüglich ein kirchliches Disziplinarverfahren eingeleitet worden. Die Landeskirche habe dem betroffenen Mädchen und ihrer Mutter seelsorgerliche und therapeutische Hilfe angeboten. Sie werde alles dazu beitragen, um die Anschuldigungen gegen den Pfarrer "lückenlos aufzuklären und disziplinarisch zu würdigen", versicherte Tröger.
(Aus Sonntagsblatt v. 16.05.1999)

Statt ins Gefängnis ins Kloster

Die Fälle von Kindsmissbrauch durch katholische und lutherische Pfarrer wollen nicht enden. In Sigmarszell bei Lindau wurde ein 58jähriger katholischer Pfarrer vom Dienst suspendiert und in einem Kloster (anstelle des Untersuchungsgefängnisses) untergebracht. Er hat einen 15jährigen Buben sexuell mehrfach missbraucht, möglicherweise noch weitere Kinder. Der ehemalige katholische Pfarrer von Wald im Kreis Sigmaringen muss sich wegen wiederholten Missbrauchs von drei Kindern vor Gericht verantworten. Die Kinder waren ihm von den Müttern in deren Abwesenheit anvertraut worden. In Simbach am Inn musste ein evangelischer Pfarrer seinen Dienst quittieren, weil er ein Jahr lang sexuelle Beziehungen zu einem heute 14jährigen Mädchen pflegte. Auch hier ermittelt der Staatsanwalt. Wie viele derartige Fälle im Dunkeln bleiben, weil die missbrauchten Kinder oder deren Eltern schweigen oder weil die Kirchenoberen nicht durchgreifen - wer weiß es.
(Aus W.Pf. v. 16.05.1999)

Das Urteil gegen den Pfarrer - Erklärungszwänge

Von Franz J. Schmid:
Gestern ist der ehemalige Pfarrer von Wald in Hechingen verurteilt worden. Er hat sich viele Male an Kindern vergangen. Dies ist nicht der einzige Fall. Ein Pfarrer aus dem Oberschwäbischen, der Mädchen nur begrapscht hat, kam mit einem Strafbefehl davon. In Weißensberg bei Lindau hat jüngst ein Seelsorger Hals über Kopf seine Gemeinde verlassen. Gegen ihn wird wegen sexuellen Missbrauchs an einem Jungen ermittelt. Der Mann war 18 Jahre in seiner Gemeinde ein geachteter Seelsorger. Eine einfache Erklärung ist schnell bei der Hand: Die erzwungene Ehelosigkeit der katholischen Priester führe mangels anderer, gebilligter Gelegenheit zu solchen Übergriffen.
Die Bindung an die Kirche und ihren Zwang hat gerade im jüngst verhandelten Fall sicherlich eine Rolle gespielt. Das hat der psychiatrische Gutachter mehrmals gesagt. Aber das ist sicherlich nicht die ganze Wahrheit. Es gibt genug Männer, die aus scheinbar sicheren Verhältnissen ausbrechen und sich zwanghaft an Schwachen vergreifen, ohne dass Ehelosigkeit im Spiel ist. Im Fall des ehemaligen Pfarrers gibt es nichts zu entschuldigen.
Aber vorschnelle laienhaft-einfache Erklärungen sind fehl am Platz. Der Mann muss jetzt seine Gefängnisstrafe verbüßen, wie jeder andere Täter. Dass er in irgendeiner Form je wieder in seinen Beruf zurückkehren kann, ist unwahrscheinlich. Es ist ihm und seiner Umgebung zu wünschen, dass er nach einer Therapie mit seinen Gefühlen zurechtkommt und seinem Leben eine neue Richtung geben kann. Seine Chancen sind wohl besser als die der meisten Sexualtäter. Vor allem ist aber zu hoffen, dass die betroffenen drei Kinder und deren Familien mit den Erlebnissen fertig werden.
(Aus Stuttg.Zeitung v. 23.04.1999)

Dreieinhalb Jahre Haft für den Pfarrer von Wald

Sexueller Missbrauch von Kindern in einigen Dutzend Fällen - Gericht folgt dem Antrag des Staatsanwalts
HECHINGEN: Der ehemalige Pfarrer von Wald ist gestern in Hechingen zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er hatte den sexuellen Missbrauch von Kindern gestanden.
Von Franz J. Schmid
Der 39 Jahre alte Angeklagte nahm das Urteil scheinbar ohne Bewegung zur Kenntnis. Er hatte sich wie bereits am ersten Prozesstag einen Aktendeckel vor das Gesicht gehalten, damit er nicht gefilmt werden konnte. Da der Angeklagte sämtliche Straftaten ohne Umschweife bereits bei der Vernehmung der Polizei und später im Prozess eingestanden hatte, fiel die Urteilsbegründung sehr kurz aus, nach gut 10 Minuten war sie schon beendet. Die Große Strafkammer des Landgerichts Hechingen folgte dem Antrag des Staatsanwalts. Der Verteidiger deutete an, dass er seinem Mandanten raten wird, das Urteil anzunehmen. Das Publikumsinteresse war gering. Aus den vier Pfarrgemeinden, die der Mann als Seelsorger betreut hatte, war anscheinend niemand im Saal. Der angeklagte
ehemalige Pfarrer habe seine Straftaten zutreffend und glaubwürdig geschildert, führte der Vorsitzende Richter Gerd Müller aus. Nach dem Eindruck des Gerichts sei das kein prozesstaktisches Vorgehen gewesen. Den Kindern sei somit der Auftrat als Zeugen vor Gericht erspart geblieben.
Der Vorsitzende führte die Straftaten noch einmal knapp auf. Demnach kam es im Fall eines anfangs noch nicht zwölf Jahre alten Jungen zwischen Februar 1997 und Mitte 1998 zu 27 Fällen vor sexuellem Missbrauch. Der zweite Junge war 14 Jahre, als es zwischen Juli und November 1996 zu den Übergriffen des Pfarrers kam. Bei ihm waren es etwa 30 Fälle. Schließlich hatte der Pfarrer auch zweimal die zwölfjährige Schwester handgreiflich missbraucht, ohne das es zum Geschlechtsverkehr kam. Wie der Vorsitzende in seiner Begründung wiederholte, war der Pfarrer in seinen vier Gemeinden, insbesondere bei Jugendlichen und Kindern, sehr beliebt. Es ist bekannt, dass der Seelsorger ein offenes Haus führte und jungen Leuten seine Wohnung gelegentlich ohne Aufsicht überließ. Er habe freundschaftliche Beziehungen gepflegt und sei von den Eltern als "honorige Persönlichkeit" angesehen worden, hieß es in der Urteilsbegründung. Im Fall der Geschwister hatte er dafür gesorgt, dass deren Mutter eine Wohnung und eine Arbeitsstelle erhielt. Er überbrückte eine Notsituation und nahm die Mutter und die Kinder für einige Wochen bei sich auf. Als die alleinstehende Frau in eine Trinkerkur ging, übernahm er die Geschwister und verging sich in dieser Zeit an ihnen wie zuvor schon an dem Jungen aus einer anderen Familie.
Wie der Vorsitzende weiter ausführte, hätten die Kinder dies gegen ihren Willen über sich ergehen lassen, weil ihnen der Pfarrerfreund Videofilme, Computerspiele und Ausflüge geboten hatte.
Der Vorsitzende Richter ging auf die Ausführungen des psychiatrischen Gutachters ein, der den Angeklagte als eine narzistisch-unsichere Persönlichkeit bezeichnete, aber dennoch für voll verantwortlich hält. Dass er versucht habe, ein Vertrauensverhältnis zu seinen Opfern aufzubauen, spreche nach Ansicht des Gutachters dafür, dass bei ihm eine Pädophilie Vorliege. Zu Lasten des Angeklagten wertete das Gericht, dass er das Vertrauen der Eltern und Kinder missbraucht habe, erschwerend fiel auch die große Zahl der Übergriffe ins Gewicht. Die Kinder zeigten bis heute Verhaltensstörungen. Eine der Mütter hatte als Zeugin von Aggressivität und Lernschwierigkeiten ihres Sohnes berichtet.
Zugunsten des Angeklagten sprach das vollständige Geständnis. Das Gericht berücksichtigte auch die schweren Folgen für seine Zukunft. Ob der Pfarrer je wieder in eine vergleichbare Tätigkeit zurückkehren kann, ist völlig offen. Er selbst hatte auf Fragen des Gerichts geantwortet, dass es für ihn derzeit schwierig sei, ein Leben außerhalb der Gefängnismauern zu planen.
Es sei fraglich, ob er bei seiner Aufgabe bleibe oder einen ganz anderen Beruf anstrebe. Beim Erzbischöflichen Ordinariat in Freiburg, dem er als Priester unterstand, ließ der Personalreferent mitteilen, dass man dem Mann selbstverständlich bei einer therapeutischen Begleitung helfen werde, wenn er dies wünsche, Dann müsse man sehen, ob er je wieder eine kirchliche Aufgabe übernehmen könne. "Er wird nicht rausgeschmissen«, so war nach dem Urteil aus der bischöflichen Behörde zu hören.
(Aus Stuttg.Zeitung v. 23.04.1999)

"Keine Verleumdung des Kölner Erzbischofs"

Gericht stellt Verfahren gegen Journalisten ein - Prälat erfuhr zu spät von Abtreibung
Hamburg (dpa): Im Prozess um die Verleumdung von Würdenträgern des Erzbistums Köln hat das Amtsgericht Hamburg das Verfahren gegen den Journalisten Bernd März eingestellt.
Die Staatsanwaltschaft hatte dem 46jährigen aus Bonn vorgeworfen, im November 1996 in zwei Zeitungsartikeln und einer Radiosendung behauptet zu haben, der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner und der zuständige Prälat hätten von einer bevorstehenden Abtreibung eines von einem Priester gezeugten Kindes gewusst und seien drei Wochen lang untätig geblieben.
Nach Auffassung der Hamburger Staatsanwaltschaft hätte der Journalist zwar mehr recherchieren müssen, um solche Tatsachen zu behaupten. Es wurde jedoch darauf verwiesen, dass der Deutsche Presserat in einer Prüfung die Artikel für unbedenklich erklärt habe.
Bei dem Fall ging es um ein Mädchen, das nach eigener Aussage von einem Priester zum Geschlechtsverkehr genötigt worden war, nachdem dieser die damals 16j'ährige erwischt hatte, als sie aus der Sternsingerkasse mehrere hundert Mark klaute. Das Mädchen wandte sich im Sommer 1996 an die Zölibat-Gegnerin Anne Doerdelmann-Lueg und erklärte, sie sei schwanger und wolle abtreiben. Lueg informierte den zuständigen Prälaten. der sich jedoch erst drei Wochen später zu den Vorwürfen äußerte. Er begründete dies als Zeuge vor Gericht damit, dass es ihm an Eingriffsmöglichkeiten gemangelt habe. Wie sich ,später herausstellte, hatte die 16jährige, bevor Lueg den Brief erhielt, das Kind bereits abgetrieben.
(Aus Stuttg.Zeitung v. 23.04.1999)

Die dunklen Seiten der ,,gläsernen Kirche"

Fall von sexuellem Missbrauch offenbart Fehler bei Vergehen des eigenen Personals
Von Claudia Kitzinger
Sigmarszell: Von seinen drei kleinen Westallgäuer Pfarrgemeinden Weißensberg, Sigrnarszell und Niederstaufen hat sich Seelsorger Josef Hoch kürzlich im Sonntagsgottesdienst ohne größere Begründung verabschiedet:
Jetzt ermitteln Kriminalpolizei. und Staatsanwaltschaft gegen den 58jährigen katholischen Pfarrer aus dem Landkreis Lindau wegen wiederholten sexuellen Missbrauchs eines 15jährigen. Die Gläubigen in den Gemeinden verstehen die Welt nicht mehr, speiste sie doch der bischöfliche Pressesprecher der Diözese Augsburg mit der Feststellung ab, der Priester trete aus gesundheitlichen Gründen ein sogenanntes Sabbatjahr an - eine Behauptung, die schlichtweg falsch war. Erst als die Eltern des 15jährigen Opfers Anzeige erstatteten und sich Pfarrer Hoch selbst beim stellvertretenden Generalvikar in Augsburg meldete, entschuldigte sich der bischöfliche Pressesprecher dafür, dass er "die Öffentlichkeit falsch informiert hatte". Er habe "nicht die volle Wahrheit gekannt". Monsignore Josef Heigl, stellvertretender Generalvikar und Personalreferent der Diözese distanziert sich davon. Pfarrer Hoch habe sich bei ihm selbst angezeigt, er habe ihn daraufhin sofort abgesetzt und angewiesen, seinen drei Gemeinden die sofortige Beurlaubung "aus persönlichen Gründen" mitzuteilen.
Heigl sei dann auf die Staatsanwaltschaft zugegangen und habe nach dem Stand der Ermittlungen gefragt: "Vor einer Veröffentlichung der Staatsanwaltschaft habe auch ich keine Veranlassung gesehen, eine Presseerklärung herauszugeben." Von Vertuschung könne keine Rede sein, auch wenn dieser Eindruck "unglücklicherweise" entstanden sei.
Josef Hoch, der zumindest im Fall des 15jährigen Jungen umfassend geständig ist - weitere Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern schießt die Polizei nicht aus -, werde nie wieder, in der Pfarrseelsorge eingesetzt. Falls sein Fall vor Gericht als "minderschwer" eingestuft werde, komme ein Einsatz in einem Altersheim in Frage. Hoch sei, sagte der leitende Oberstaatsanwalt in Kempten, Günter Meltendorf, "nicht in Untersuchungshaft, sondern in einem Kloster". Zumindest solange, bis die Ermittlungen abgeschlossen seien. Falls zusätzlich ein Verfahren nach dem Kirchenrecht eingeleitet werde, sei auch eine Enthebung vom Priesteramt möglich. In den drei kleinen Pfarrgemeinden herrscht Verwirrung. Der Schock sitzt tief. Hoch ist nicht der erste Priester, der sich an Schutzbefohlenen verging. Spektakulär war 1993 - ebenfalls im Bistum Augsburg - ein Prozess gegen einen 65jährigen katholischen Seelsorger, der jahrelang ein ihm anvertrautes zwölfjähriges Mädchen missbraucht hatte. Während Papst Johannes Paul II. im Zusammenhang mit kirchlicher Informationspolitik von der "gläsernen Kirche" spricht und die "eindeutige und klare Bereitschaft ihrer Amtsträger zu ausreichender Aufklärung der Öffentlichkeit" einfordert, geben sich die Ortskirchen und Diözesanleitungen im Umgang mit Vergehen aus den eigenen Reihen immer wieder Blößen. Für Prälat Valentin Doering, Leiter des katholischen Büros Bayern, ist es nicht die Kirche als solche, die bei derartigen Schwierigkeiten versagt. "Es sind Einzelpersonen, die nicht wissen, wie sie damit umzugehen haben".
(Aus SZ v. 24.03.1999)

Missbrauch:

Erzbischof weist Vorwurf zurück
London. (dpa): Der katholische Erzbischof von Cardiff, John Aloysius Ward (70), hat energisch bestritten, ein kleines Mädchen sexuell belästigt zu haben. Ward, Oberhaupt der Katholiken von Wales und einer der prominentesten Geistlichen Großbritanniens, war am Dienstag festgenommen und von der Polizei verhört worden.
Eine 45 Jahre alte, heute in Irland lebende Frau hatte den Erzbischof beschuldigt, sie .Anfang der 60er Jahre sexuell belästigt. zu . haben. Ward war damals Gemeindepfarrer. "Ich bin völlig verblüfft und bestürzt", erklärte der Erzbischof. "Ich kann vor Gott sagen,, dass ich ihr niemals etwas getan habe."
(Aus Westfalenpost v. 28.01.1999)

Erzbischof von Cardiff festgenommen

LONDON (dpa): Der Erzbischof von Cardiff, John Aloysius Ward, ist am Dienstag unter dem Verdacht, ein Mädchen sexuell missbraucht zu haben, festgenommen worden. Ward ist als Oberhaupt der katholischen Kirche in Wales einer der prominentesten Katholiken Großbritanniens. Ein Sprecher: der Katholischen Kirche bestätigte die Festnahme, nannte aber keine weiteren Einzelheiten. Die Polizei teilte mit, der Erzbischof werde "schwerwiegender sexueller Delikte gegen ein Mädchen in den 60er Jahren" beschuldigt. Er sei nach der Vernehmung durch die Polizei allerdings wieder auf freien, Fuß gesetzt worden und müsse sich am 9. März bei den Behörden wieder melden.
(Aus Stuttg.Zeitung v. 27.01.1999)

Kardinal freigesprochen

Für pädophilen Priester nicht verantwortlich
BRÜSSEL: Der Brüsseler Kardinal Godfried Danneels ist vom Vorwurf zivilrechtlicher Verantwortung im Fall eines pädophilen Priesters freigesprochen worden.
Ein Berufungsgericht entschied in Brüssel, der Kardinal und sein Weihbischof Paul Lanneau könnten nicht für die Handlungen des pädophilen Priesters Andre Vanderlijn verantwortlich gemacht werden. Im April waren Danneels und Lanneau in einem erstinstanzlichen Urteil wegen Verletzung der Aufsichtspflicht zu jeweils rund 25000 Mark Geldstrafe verurteilt worden.
Das Berufungsgericht urteilte dagegen, zwischen einem Bischof und einem Pfarrer bestehe kein Abhängigkeitsverhältnis, das eine Verurteilung begründen könne. Im übrigen hielt das Gericht das Strafmaß gegen Vanderlijn aufrecht, der im April zu sechs Jahren Haft verurteilt worden war. Dem geständigen Priester war der Missbrauch von rund einem Dutzend zehn- bis 13jährigen Kindern vorgeworfen worden. Der Sprecher des Erzbistums Mechelen-Brüssel, Toon Osaer, äußerte sich zufrieden mit dem Urteil. Was bleibe, sei aber die Sorge um die Opfer des pädophilen Priesters, an der sich die Kirche beteilige.
(Aus Sonntagsblatt v. 04.10.1998)

Angeklagter vermutet einen Rachefeldzug

Pfarrer wegen Vergewaltigung von Haushälterin vor Gericht
Regensburg (dpa): Im Vergewaltigungsprozess gegen einen griechisch-katholischen Priester in Regensburg hat der Angeklagte gestern ein Verhältnis mit seiner Haushälterin eingeräumt.
"Sie hat bei mir im Bett geschlafen", sagte der 55jährige am ersten, Verhandlungstag vor dem Landgericht. Er bestritt aber, gegen die aus Polen stammende Frau Gewalt angewendet zu haben. Die Anklage wirft dem Geistlichen vor, die Haushälterin 1989 im Pfarrhof des niederbayerischen Ascholtshausen mehrmals vergewaltigt zu haben. Von 1987 bis zu seiner Festnahme in diesem Jahr war der aus Bosnien stammende deutsche Staatsbürger Pfarradministrator in der römisch-katholischen Gemeinde. Laut Anklage soll er bei den Vergewaltigungen auf sein Opfer eingeschlagen, es an den Haaren gezogen und schließlich zum Beischlaf gezwungen haben. Vor Gericht gab, der Geistliche zu Protokoll, er habe zwar mit zwei anderen Frauen sadomasochistische Praktiken etwa mit Lederpeitschen ausprobiert und davon auch Filme angefertigt Mit der Polin, die ihn neun Jahre später angezeigt hatte, habe er dies aber nicht gemacht. Nach Angaben des Priesters war die geschiedene Frau 1988 mit ihrem Sohn bei ihm eingezogen - kurz nachdem er sie kennen gelernt habe. Bald sei man sich menschlich näher gekommen. Er habe sie dann von Mitte 1988 an als Pfarrhaushälterin beschäftigt. Noch im Laufe des Jahres habe sie eine Abtreibung vornehmen lassen.. Er sei aber nicht der Vater des Kindes gewesen. Die Angaben der Frau, er habe sie mehrfach vergewaltigt, wertete der Angeklagte als Rache. Vielleicht sei sie verärgert gewesen, weil er nach ihrem Auszug mit einer anderen Haushälterin ein Verhältnis begonnen habe.
Neben den Vergewaltigungen wirft die Staatsanwaltschaft dem Pfarrer unter anderem vor, acht Polen bei sich beherbergt zu haben , die sich illegal in Deutschland aufhielten. "Mein Haus war offen", sagte der Pfarrer dazu. Für den Prozess sind bis Donnerstag kommender Woche insgesamt sieben Verhandlungstage angesetzt.
(Aus Hanauer Anzeiger v. 15.09.1998)

30 Millionen Dollar wegen Kindesmissbrauchs

Diözese muss wegen Kindesmissbrauchs 30 Millionen Dollar zahlen
San Francisco (AFP): Eine katholische Diözese bei San Francisco ist zur Zahlung von 30 Millionen Dollar (64 Millionen Mark) verurteilt worden, weil ein Priester jahrelang zwei Brüder sexuell mißbraucht hat.
Dies ging aus dem gestern bekannt gewordenen Urteil eines Zivilgerichts hervor. Die heute 19 und 23 Jahre alten Männer beschuldigten einen Priester der Diözese Stockton der Pädophilie. Er soll sie zwischen 1978 und 1991 immer wieder sexuell misshandelt haben. Der Kirche warfen sie vor Gericht vor, die Beweise für das Verhalten des Mannes ignoriert zu haben. Drei Bischöfe seien auf dem laufenden über die Vorkommnisse gewesen.
Sie hätten zwei Jahrzehnte lang gelogen und den Priester in Gemeinden arbeiten lassen. In einer Erklärung entschuldigte sich der Bischof von Stockton, Donald Montrose, bei der Familie. Er räumte ein, dass die Kirche "die Tiefe des Problems nicht verstanden hat".
Erst vor wenigen Tagen hatte die Diözese von Dallas im US-Bundesstaat Texas eine Schmerzensgeld-Zahlung akzeptiert. Sie zahlt 23,4 Millionen Dollar an ehemalige Chormitglieder.
(Aus Panorama v. 18.07.1998)

Priester missbrauchte Messdiener über Jahre

US-Kirche zahlt Rekordsumme: Über 23,4 Millionen Dollar
Washington/Dallas (dpa): Für den jahrelangen sexuellen Missbrauch durch einen Geistlichen zahlt die Katholische Kirche in Dallas (US-Staat Texas) acht früheren Messdiener 23,4 Millionen Dollar,(42,5 Millionen Mark) Entschädigung. Das ist nach Zeitungsberichten die bei weitem höchste Summe, die die Katholische Kirche in den USA bisher für Fälle Sexuellen Missbrauchs gezahlt hat. Die außergerichtliche Einigung. schließt eines der dunkelsten und schwierigsten Kapitel in der jüngeren Kirchengeschichte der Vereinigten Staaten ab. Ursprünglich hatte die Diözese Dallas nach einem Jury-Beschluß des vergangenen Jahres die acht Ministranten sogar mit 119 Millionen Dollar entschädigen sollen. Weil diese Summe die Diözese in den Ruin gestürzt hätte, verhandelten beide Seiten über einen niedrigeren Betrag. Die Anwälte der Messdiener sind mit dem Ergebnis zufrieden. Der Priester Rudolph Kos ist zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt und vom Vatikan aus dem Amt verstoßen worden, weil er über einen Zeitraum von elf Jahren in drei Kirchengemeinden Messdiener und andere Kinder sexuell missbraucht hatte. Manche Kinder waren erst neun Jahre alt. Der Priester verlangte von den Messdienern unter anderem Genitalmassage sowie oralen Sex. Eines seiner Opfer beging Selbstmord. Die Diözese Dallas hatte insgesamt elf Kläger zu entschädigen. In drei abgetrennten Fällen war bereits die Zahlung von 7,5 Millionen Dollar vereinbart worden. Damit liegt die Summe, die die Diözese insgesamt bezahlt muss, bei fast 31 Millionen Dollar.
;,Der Umfang dieser Einigung sollte allen Kirchen im Ende, eine Warnung sein, die sich weiterhin weigern, etwas gegen dieses Problem (des sexuellen Missbrauchs) zu tun", sagte der frühere Priester Tore Economus, der die nationale Organisation "Linkup" für die Opfer sexuellen Missbrauchs in Kirchen leitet. Nach Informationen dieser Organisation haben Diözesen in den USA seit Beginn der achtziger Jahre etwa 80 Millionen Dollar Entschädigung und Schmerzensgeld an die Familien sexuell missbrauchter Messdiener gezahlt. Nach Schätzungen dürften insgesamt 2000 der 51000 Priester in den USA in den vergangenen 20 Jahren des Missbrauchs beschuldigt worden sein.
(Aus Hanauer Anzeiger v. 13.07.1998)

Bischof dankt nach Missbrauchsvorwurf ab

ROM, 3. Juni (kna): Der Vatikan hat den Rücktritt des Bischofs von Palm Beach im US-Bundesstaat Florida, Joseph Keith Symons, bestätigt. Symons (65) hatte zuvor eingeräumt, dass er vor Jahrzehnten sexuelle Beziehungen zu Minderjährigen gehabt habe. Die Vatikanzeitung Osservatore Romano teilte am Mittwoch mit, Papst Johannes Paul II. habe den Rücktritt des Bischofs angenommen und den Bischof der Diözese Saint Petersburg (Florida), Robert Nugent Lynch, zum Administrator ernannt.
Der US-Nachrichtenagentur CNS hat Symons vor seinem Rücktritt in einer schriftlichen Stellungnahme erklärt, dass er in den frühen Jahren seiner 40jährigen Tätigkeit als Priester sexuelle Verfehlungen mit Minderjährigen begangen habe.
(Aus FR v. 04.06.1998)

Bischof Krenn beschuldigt die Opfer

ST. PÖLTEN (KNA): Der St. Pöltner Bischof Kurt Krenn ist weiterhin von der Unschuld des wegen sexueller Belästigung umstrittenen österreichischen Kardinals Hans Hermann Groer überzeugt.
Er kenne keine Zeugenaussagen, habe aber genug Einsichten in die Person Groer, die er schätze, betonte Krenn in einem Interview für die jüngste Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil". Im Hinblick auf die Betroffenen meinte der Bischof, er gebe niemandem einen Persilschein nur weil er sich "Opfer" nenne. Er wolle diesen Leuten nicht nahe treten und auch nicht ihre Motive beurteilen, meinte Krenn. Aber er wisse inzwischen "einiges, was den Schluss, den die Mehrheit zieht, unzulässig macht"..
Und er fügte hinzu: ."Ich glaube nicht daß jemand in etwas involviert ist, ohne auch selber ein Sünder zu sein."
Die Plattform "Wir sind Kirche" reagierte mit Entsetzen auf die Erklärung Krenns. Der Bischof gieße neuerlich "Öl ins Feuer". Gerade in den vergangenen Tagen sei es gelungen, den rund tun den "Fall Groer" lodernden Brand etwas einzudämmen.
Die erstmalige, wenn auch "sehr zaghafte und halbherzige" Wortmeldung Groers sowie die stellvertretende Entschuldigung durch den Wiener Kardinal Christoph Schönborn hätten zur Beruhigung der Situation" beigetragen. Genau in diese Phase platze nun Krenn mit seiner "völlig deplazierten Anschuldigung der Opfer".
(Aus VB v. 21.04.1998)


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