Auch in Österreich Reiche Kirche

Mutig, mutig: Die Wochenzeitung Die ganze Woche brachte im April 2003 eine dreiteilige Serie über den Reichtum und die Privilegien der Kirche in Österreich. Der Leser erfuhr darin z.B.dass die katholische Kirche in Österreich nach dem Adel und den Bundesforsten der drittgrößte Grundbesitzer des Landes ist (250 000 Hektar);dass die Kirche durch eigene Unternehmen und Beteiligungen an Zeitungen "ein Konzern mit geschätzten 1,5 Milliarden Euro Jahresumsatz" ist;dass die Kirche auch gerichtliche Pfändungsverfahren nicht scheut, wenn die "Schäfchen" ihre Kirchenbeiträge nicht zahlen: "1999 kam es bei 17.500 Kirchenmitgliedern zu einer Pfändung." Die Meldedaten für die rigorosen Eintreibungen erhält die Kirche von den staatlichen Meldeämtern;dass die Kirchen - wie in Deutschland - zusätzlich zu 290 Millionen Euro an Kirchenbeiträgen (in Deutschland würde man "Kirchensteuer" sagen) weitere staatliche Zuwendungen erhalten: 41 Millionen Euro jährlich allein an die katholische Kirche. "Begründet" wird dies im Unterschied zu Deutschland nicht mit napoleonischen oder reformatorischen Enteignungen, sondern - irgendwas wird sich schon finden - mit der Abschaffung des josefinischen "Religionsfonds" im Dritten Reich;dass auch in Österreich die Kirchenbeiträge keineswegs überwiegend für soziale Zwecke ausgegeben werden, sondern zu zwei Drittel für die Besoldung von Pfarrern und Laien;dass die meisten österreichischen Diözesen über umfangreiche "weltliche" Immobilien verfügen, etwa die Erzdiözese Wien, der "gut vermietete Häuser in der Wiener Innenstadt" gehören;dass die österreichischen Klosterstifte zum großen Teil schwerreich sind, und über eine eigene Bank, das Bankhaus Schelhammer & Schattera in Wien, verfügen. Diese Bank ist unter anderem an der Lotto-Toto-GmbH und an den Casinos Austria beteiligt;dass z.B. den Prämonstratenser Chorherren in Schlägl "sogar mehr als die Hälfte des Böhmerwaldes" gehört.Wie wäre es, liebe Österreicher: "Ein Mahnmal für die Millionen Opfer der Kirche" würde nach Österreich genauso gut passen wie eine Initiative "Mehr Geld für den Bürger".
(Mahnmal aktuell, Ausgabe 3/2003)


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